Buchloe / Weicht
Das Spielzeug des Mannes

Es geht um Millimeter. Ganz knapp schrammt das Gipfelkreuz am Dachbalken vorbei. Und dann bleibt doch ein Teil des modellierten Berges hängen, kleine Bäume brechen ab und fallen gemeinsam mit grauen Splittern auf den Boden. «Das ist wieder Arbeit für mich, aber halb so schlimm», sagt Alois Baur. Gemeinsam mit seinen Kameraden von den Buchloer Modellbahnfreunden verrichtet er Schwerstarbeit. Aus dem Obergeschoss einer Tenne von Klaus Huber in Weicht, quasi dem Vereinsraum, hiefen sie fast 20 verschiedene Baumodule einer riesigen Eisenbahnanlage durch ein schmales Tor mit einem Lastkran auf den Boden. Knapp drei Stunden brauchen sie dafür, dann werden die Teile zunächst in einer Garage geparkt, später auf Lastwagen verpackt und nach Buchloe gefahren.

Elf Meter lang und sieben Meter breit sind die verschiedenen Teile, wenn sie im Stadtsaal wieder zusammengeschraubt und am kommenden Wochenende vorgeführt werden. Seit der letzten Ausstellung vor zwei Jahren haben die Männer viel gebastelt und verändert. Eine Seilbahn haben sie eingebaut, neue Häuser und einen spektakulären Unfall. Die größte Veränderung ist aber die Technik: Mussten die Züge früher noch von Hand gesteuert werden, wird der fließende Verkehr auf den Schienen inzwischen per Signalsteuerung geregelt. Sprich: Hält ein Zug im Bahnhof an, macht sich ein anderer auf die Reise. Mindestens vier seien immer zeitgleich unterwegs, erklärt Manfred Elsässer. Er ist der Elektriker bei den Modellbahnfreunden. An den digitalen Trafos und Schaltstellen müssen sie kaum noch Hand anlegen. «Wir sind während der Schau nur noch zur Aufsicht da», meint Elsässer.

Er spricht dabei immer wieder von der Hauptschlagader und meint damit die vielen Kabel und Stecker unter den Tischen. Ohne sie funktioniere nichts. Keine Beleuchtung, keine Signale und schon gar nicht die vielen Loks. Die stammen zum größten Teil aus dem Privatbesitz der Männer. «Natürlich kaufen wir uns immer wieder neue Teile dazu», meint Baur. Zum Beispiel den Allgäuexpress (Alex) oder die drei ICE-Generationen. Baur selbst ist der Landschaftsgärtner der riesigen Anlage. Die einzelnen Häuser und Autos hat er sorgfältig in Kisten verpackt und fein säuberlich nummeriert.

Bei ihrer Schau im Stadtsaal legen die Modellbahnfreunde Wert auf Vielseitigkeit. Das Herzstück, meint Walter Ludwig, sei ohne Frage die große Anlage im Maßstab 1:87, der Spur HO. Gezeigt werden aber auch die Spuren N und Z sowie eine Gartenbahn der Spur 1.

Und dann packen die Männer wieder an. Dieses Mal ist die Aufgabe einfach, ein flacher Bahnsteig. Walter Ludwig und Xaver Niedermayer zurren die Haken des Krans fest - und bringen das Teil heil auf den Boden. Baur atmet durch und meint: «Gut gegangen. Aber wir haben schon den einen oder anderen Transportschaden einkalkuliert.»

Die Ausstellung im Stadtsaal ist am Samstag, 5. Dezember, von 10 bis 19 Uhr und am Sonntag, 6. Dezember, von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

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