Allgäu
«Das Singen war mein Türöffner»

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«Menschen im Ostallgäu» ist der Titel einer neuen Serie, die unsere Zeitung heute startet. Marktoberdorf/Berlin «Ick wollt ma ooch ma vor de Ubahn. Kurfürstenstraße, wo wa eben warn. Und weeßte wat? Is einfach keen Zuch jekommen. Dreiviertel Stunde nich! Und weeßte warum? Eene Minute vorher hat sich n anderer davor jeschmissen. Nollendorfplatz. Komisch, wa?»

In waschechtem Berlinerisch rezitiert Nina Reithmeier diese Passage aus ihrer Hauptrolle als arbeitslose Maria im Berliner Kultmusical «Linie 1». Es ist eine ihrer Lieblingsszenen. «Plötzlich kommt der Moment, in dem die Zuschauer merken, wie ihnen das Lachen im Halse stecken bleibt», meint die Schauspielerin aus Marktoberdorf.

Hauptrollen in «Linie 1», im aktuellen «Linie 2» am Berliner Grips Theater (Kasten) sowie in den dortigen Kinderstücken «Rosinen im Kopf» und «Max und Milli»; seit Mai ein festes Engagement an der Hauptstadtbühne. Nina Reithmeier hat es geschafft auf die Bretter, die für viele die Welt bedeuten. Einer breiteren Öffentlichkeit ist ihr Gesicht schon länger vertraut.

Durch Rollen in Filmen wie «Rosa Roth - Sechs Tage zuviel» oder Teenagerserien wie «Abschlussklasse 2003». Auf ihr Fernsehgesicht angesprochen, winkt Reithmeier aber nur ab: Gerade wegen der «AK 2003» habe sie zwar schon kreischende Mädels erlebt, die Autogramme wollten. Angenehmer sei es aber, nicht erkannt zu werden.

Die jugendlich aussehende, brünette 28-Jährige wirkt natürlich, bodenständig. Nicht nur wegen der Verwandten verbringe sie die Weihnachtstage sowie den Sommerurlaub nach Ende der Theatersaison bevorzugt im Allgäu. «Sonst vermisse ich die Berge», sagt sie.

In Marktoberdorf ist sie ohnehin eher als «die Nina» bekannt, die schwäbische Meisterin im Voltigieren wurde und 2001 ihr Abi baute, Leistungskurs Musik mit Gesang. Und als Tochter Ernst-Werner Reithmeiers, Lehrer und Seeger Kirchenchorleiter. «Mein Vater gab mir Gesangsunterricht, seit ich zwölf war», erzählt sie.

Zudem agierte Nina als Saffi in der «Zigeunerbaron»-Inszenierung ihres Vaters, spielte jahrelang im mobilé. Auftritte waren immer Teil ihres Lebens. Trotzdem habe sie nach dem Abi nicht gewusst, dass sie mal Schauspielerin wird. «Fotografin, Lehrerin oder Sängerin hätte ich mir auch vorstellen können.»

Nach der Schauspielschule vom Fleck weg engagiert

Letztlich begann sie ein Studium in München, ergatterte aber bald eine Hauptrolle bei der Serie «Abschlussklasse 2003» auf Pro7. Über drei Jahre spielte sie die Serienrolle «Jutta Mahler» und lebte von ihrer Gage. Und entschied sich dafür, die Berliner Schauspielschule Charlottenburg zu besuchen.

Nach dem Abschluss wurde sie vom Fleck weg engagiert, spielte in der Neuköllner Oper in «Türkisch für Liebhaber»: «Die suchten eine türkisch aussehende Schauspielerin, die klassisch und poppig singen kann.» Auch beim Grips wurde eine Schauspielerin gesucht, die singen kann. «Beim Vorsprechen war wieder das Singen der Türöffner», sagt Nina Reithmeier und strahlt.

«Ich habe den tollsten Beruf der Welt», sagt sie, «auch weil ich bei den Proben das Kind in mir ausleben darf.» Apropos Kind: Mit ihrem Mann, Fotograf Michael Schilhansl, hat Reithmeier einen zweijährigen Sohn. In strengen Spiel- und Probezeiten seien die flexiblen Arbeitszeiten ihres Mannes und die Kita hilfreich. Aber auch an ausgefüllten Tagen (Probe, Zeit mit ihrem Sohn, Vorstellung) bereite ihr der Beruf Freude, sagt sie. Es klingt ehrlich.

Zumal ihre Hobbys und das Üben für den Job Hand in Hand gingen: «Privat mache ich Sport, gehe ins Kino - oder ins Theater - und nehme Gesangsunterricht.» Sie habe ihr größtes Hobby zum Beruf gemacht, betont sie. Dito. In Rollen wie der der eingangs erwähnten Maria gehe sie auf: «Maria ist ein Teil von mir geworden.

» Auch wenn diese, eine Arbeitslose mit Selbstmorderfahrung, grundverschieden ist. «Sie ist vom Leben geschlagen, aber hat ein großes Herz», bringt es Reithmeier auf den Punkt.

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