Das Rauchverbot ist ein Schlag ins Gesicht

von johannes schlecker | Kempten Eigentlich war Annemarie Mayer auf das drohende Rauchverbot in den Gaststätten gut vorbereitet. Damit ihre Stammgäste auch im kommenden Jahr nicht auf die gewohnte Zigarette verzichten müssen, ließ die Mitinhaberin der Pilsschenke Kö 11 in Kempten extra eine Trennwand in ihrer Kneipe errichten. Völlig unerwartet traf sie vergangene Woche der Beschluss der CSU-Landtagsfraktion, das Rauchverbot auf den gesamten Gaststättenbetrieb auszuweiten.

'Das war für mich ein Schlag ins Gesicht', ärgert sich Mayer. Für sie hat die Neuregelung folgenschwere Konsequenzen: 'Alle meine Stammgäste rauchen und haben angekündigt, künftig zu Hause zu bleiben. Uns bleibt nichts anderes übrig, als das Lokal Ende des Jahres zu schließen', erklärt Mayer.

Willi Sauerhering, Vorsitzender des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands (BHG), geht der Gesetzentwurf dagegen nicht weit genug. Zwar habe die Landtags-CSU den Forderungen des BHG weitgehend entsprochen, den Wettbewerbsnachteil für Einraum-Gaststätten gegenüber Häusern mit mehreren Räumen zu beseitigen. 'Es muss aber klar gestellt werden, dass auch Vereinsheime in diese Regelung einbezogen sind', erklärt Sauerhering. Andernfalls entstehe für die Wirte eine 'ernstzunehmende Konkurrenzsituation'.

Während die Oktoberfest-Wirte wegen des geplanten Rauchverbots in Bierzelten auf die Barrikaden gehen, sieht Hans Schmid, Festwirt des Bierzelts auf der Allgäuer Festwoche, der neuen Regelung gelassen entgegen. 'Wir haben sowieso keinen Einfluss auf die Entscheidung. Jetzt gibt es wenigstens keine Reibereien mehr', sagt Schmid. Einen schlechteren Umsatz erwartet der Festwirt jedenfalls nicht. 'Die Leute kommen trotzdem. Sie wollen Spaß haben und zusammen feiern. Da kommt es auf eine Zigarette auch nicht an.'

Jürgen Berkmiller, Pächter der Brauerei-Gaststätte Zum Stift, ist dagegen verärgert. 'Man hätte es den Gastronomen überlassen sollen, ob sie in ihrer Gaststätte ein generelles Rauchverbot einführen wollen', erklärt Berkmiller. Für das kommende Jahr hatte sich der Wirt schon einen Plan zurecht gelegt. Ein separater Raum sollte umgebaut werden und Platz für rund 180 Raucher bieten. Nun muss Berkmiller über eine Alternative nachdenken. 'Wir werden wohl im Biergarten über die Wintermonate ein beheiztes Zelt aufstellen', erklärt der Gastronom.

Weniger Sorgen bereitet das generelle Rauchverbot Anna Musto vom Restaurant Mylord. Ein eigener Raucherbereich sei im 'Mylord' nie ein Thema gewesen, da der dafür notwendige Platz fehle. Musto kann der Entscheidung sogar etwas Positives abgewinnen. 'Immer wieder haben sich Gäste über den Zigarettenqualm ihrer Tischnachbarn beschwert. Dieses Problem haben wir künftig nicht mehr.'

Dass ein Rauchverbot nicht unbedingt einen Umsatzrückgang zur Folge hat, beweist die Aktion 'rauchfreies Speisen' im Restaurant Starlet. Seit Anfang des Jahres ist dort während der Mittagszeit und für ein paar Stunden am Abend der Griff zum Glimmstängel verboten. 'Wir haben seitdem viel mehr Essen verkauft und auch einige Gäste dazugewonnen', erklärt Restaurantleiter Mehmet Salkan. Daher habe er bereits vor dem Beschluss der Landtags-CSU über ein generelles Rauchverbot nachgedacht.

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