Kaufbeuren / Ostallgäu
«Das Minus lässt sich nicht so schnell beseitigen»

Seit sechs Monaten führt Dr. Susanne Schlichtner als Vorstandsvorsitzende die Geschicke der Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren. Innerhalb der nächsten fünf Jahre möchte sie das etwa 1,5 Millionen Euro hohe jährliche Defizit der laufenden Geschäfte auf Null bringen, betont sie im Gespräch mit der AZ. Dazu kommen allerdings noch weitere 4,5 Millionen Euro Defizit, die aus Abschreibungen und Vorfinanzierungen von Bauvorhaben pro Jahr aufkommen. Dieses Minus werde sich so schnell nicht beseitigen lassen, erläutert die Krankenhausmanagerin.

Kritik von der Gewerkschaft

Kritik musste sie sich jüngst wie berichtet von der Gewerkschaft Verdi gefallen lassen. Demnach verursache ihre Personalpolitik eine Million Euro Kosten. Schlichtner räumt ein, dass sie einige frühere Führungskräfte freigestellt habe. «Wenn jemand nicht so geeignet ist, muss man nach Alternativen suchen», meint sie. So will sich der Klinikenverbund vom Leiter des Finanz- und Rechnungswesens, vom stellvertretenden Personalchef und von einem der beiden Küchenchefs in Kaufbeuren trennen, was auch zu Prozessen vor dem Arbeitsgericht führt. Zudem werden vakante Stellen in der oberen Führungsebene besetzt. Dennoch, so Schlichtner, lägen die Personalkosten der Führungsebene heute niedriger als vor ihrer Zeit. Denn einer der beiden Vorstandsposten, zuletzt von Friedhelm Gallinat ausgefüllt, wurde mit dessen Ausscheiden eingespart.

Neben der Neuordnung der Führungsspitze arbeitet Schlichtner «mit Hochdruck» am neuen medizinischen Gesamtkonzept für alle fünf Kliniken. Darin soll festgelegt werden, welche medizinischen Leistungen künftig in den Häusern in Kaufbeuren, Marktoberdorf, Füssen, Obergünzburg und Buchloe angeboten werden.

Der Verwaltungsratsvorsitzende des Klinkenverbundes, Kaufbeurens Oberbürgermeister Stefan Bosse, und sein Stellvertreter Landrat Johann Fleschut betonen, dass am Kurs, alle Kliniken zu erhalten, weiter festgehalten werde. Ob allerdings an allen Standorten Notversorgungen rund um die Uhr vorgehalten werden, sei noch nicht entschieden.

Das Defizit der Kliniken aus dem laufenden Betrieb möchte Schlichtner zum einen über eine weitere Steigerung der Fallzahlen abbauen. Das heißt, es sollen noch mehr Menschen dort behandelt werden. Zudem soll auch die «Optimierung der Verwaltungsabläufe» helfen, die Kosten zu senken.

Dazu gehört, dass noch im Februar drei Standortverantwortliche für die fünf Kliniken berufen werden. Sie sollen gleichzeitig Verantwortung für Gesamtbelange des Unternehmens, zum Beispiel den Einkauf, übernehmen. Bosse erhofft sich davon, dass «Standortegoismen» künftig vermieden werden. Diese hätten sich in der Vergangenheit als «große Hemmschuh» bei der Weiterentwicklung des Klinikenverbundes entpuppt.

Bosse, der seit Januar 2010 den Verwaltungsratsvorsitz von Fleschhut für die nächsten zwei Jahre übernommen hat, will die Funktion des Gremiums auf die eines Aufsichtsrates zurückführen. Durch die Querelen der vergangenen Jahre - ein Vorstandsvorsitzender wurde wegen Spekulationsgeschäften fristlos entlassen, danach ein Interimsvorstand bestellt - sei der Verwaltungsrat zu sehr mit operativen Entscheidungen befasst gewesen. Das sei aber gar nicht seine Aufgabe. Diese habe nun wieder die Vorstandsvorsitzende übernommen.

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