Lindenberg
Das Handy als perfekte «Wanze»

Wie surfe ich sicher im Internet? Welche Gefahren lauern dort? Auf Initiative des Elternbeirates des Lindenberger Gymnasiums beantwortete mit Götz Schartner ein Experte diese und viele weitere Fragen.

Organisiert von der Volksbank stieß der Vortrag auf riesiges Interesse: Über 650 Besucher hörten zwei Stunden lang auf humorig-ernsthafte Weise, dass Anonymität im Internet reine Illusion ist. Bereits am Vormittag informierte Schartner rund 2000 Schüler aus Gymnasium, Realschule, Hauptschule und Antonio-Huber-Schule.

Der Einstieg rüttelte wach. Götz Schartner, vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik lizensierter Hacker, der Datenserver von Unternehmen und Behörden virtuell angreift, um die Schwachstellen zu finden und aufzuzeigen, zeigt alle eingeschalteten Mobiltelefone in der Aula des Gymnasiums an. Etwas Hard- und Software und schon hat er Zugriff auf die dort gespeicherten Telefonbücher und sogar Kurznachrichten. Und er demonstriert, wie leicht sich ein Handy als «Wanze» nutzen lässt: «Solch perfekte Abhörgeräte hätten wir uns früher gewünscht» gibt er zu.

Doch das Abhören ist nur eine Variante des kriminellen Missbrauchs. Richtig teuer kann es werden, wenn das eigene Handy genutzt wird, um kostenpflichtige Rufnummern zu wählen. Dem Schock folgen die Tipps: «Installieren sie regelmäßig Firmware-Updates auf ihrem Handy, schalten sie die Bluetooth-Funktion aus oder wenigstens unsichtbar und öffnen sie insbesondere keine MMS von unbekannten Absendern», rät Schartner.

Eindringling nicht erkannt

Die De-Illusionierung der PC-Anwender geht weiter. Auf die Frage, wer eine Antiviren-Software nutzt, melden sich die meisten der Besucher.

Doch Schartner demonstriert, dass eine winzige Veränderung an der Bezeichnung eines Demo-Virus genügt, damit 35 von 40 Antiviren-Programme den immer noch schadhaften Eindringling nicht mehr erkennen. Ohne Frage sei ein Virenschutz notwendig, «aber er kann bei weitem nicht so viel, wie es die meisten erwarten».

Und auch wer stets nur «seriöse» Seiten im Internet anklickt, ist vor virtuellen Schädlingen nicht sicher: «Auch Tagesschau.de wurde schon gehackt», so Schartner. Wer dann auf den vermeintlich sicheren Link klickt, lädt sich einen «Trojaner» auf den eigenen PC. «So etwas bekommen sie gar nicht mit», antwortet der Experte auf eine Frage aus dem sichtlich betroffenen Publikum.

Und diese Betroffenheit wächst von Minute zu Minute: Schartner berichtet von grundsätzlich nicht verschlüsselt verschickten E-Mails und von den vermeintlich sicheren PDF-Anhängen, die längst mehr Schadprogramme transportieren als klassische Office-Dateien.

Überweisungdaten kontrollieren

Er stellt moderne Varianten des Online-Banking-Betruges vor und gibt den Hinweis, stets die Überweisungsdaten nochmals genau zu kontrollieren: «Lesen sie die SMS beim MobileTAN-Verfahren, kontrollieren Sie die Daten im ITAN-Plus-Fenster auf dem Bildschirm».

Aber Schartner mahnt auch, nicht zu freizügig mit persönlichen Daten im Internet umzugehen. Den anwesenden Schülern der Oberstufe rät er, in sozialen Netzwerken stets misstrauisch zu sein: «25 Prozent der Jugendlichen werden einmal jährlich im Internet sexuell belästigt», weiß er zu berichten. Der Zugriff auf vermeintlich geschützte Informationen sei für Hacker binnen Sekunden möglich. Und: «Fotos lassen sich quasi nicht mehr löschen, wenn sie einmal veröffentlicht wurden. Sie werden ständig weiterkopiert und finden sich auf immer neuen Webseiten».

Sensibilisieren wollten Elternbeirat, Volksbank und Experte. Den betroffenen Besuchern ist am Ende anzusehen, dass dies gelungen ist.

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