Fischen
Das Abenteuer als Sinnbild für das Leben

Was kann man von einem Mann lernen, der die steilsten und schwierigsten Kletterrouten der Welt überwunden hat? Dass man ohne zuvor zu scheitern, den Erfolg nicht zu schätzen weiß, lautet die überraschende Antwort von Thomas Huber. Der 43-Jährige, der als eine Hälfte der «Huberbuam» in Pepe Danquarts Film «Am Limit» bekannt wurde, erzählt in Fischen von seinen Abenteuern. Die Veranstaltung «Im Vakuum der Zeit» war Teil einer Vortragsreihe der Raiffeisenbank Oberallgäu-Süd.

750 Zuschauer in der Fiskina lauschen gebannt, wie Huber von seinem mehrmaligen Scheitern berichtet, als er die Drei Zinnen (Italien) in Rekordzeit überwinden wollte. Und nur die Tatsache, dass der Protagonist kerngesund vor ihnen steht, lässt die Zuschauer bei den Videosequenzen von spektakulären Klettertouren durchatmen. «Je größer die Niederlage, desto größer ist auch der Erfolg».

Für Huber ist das Klettern nur die «Metapher» für das, was er seinen Zuhörern mit auf den Weg geben will: Nur wer Hindernisse überwindet und Niederlagen erlebt, kann das absolute Glücksgefühl des Triumphes genießen.

Während er selbst auf der Leinwand über das ganze Gesicht strahlt, nachdem er mal wieder einen Gipfel bezwungen hat, beschreibt Huber das Gefühl als «absolute Leere, Freude und Zufriedenheit.» Augenblicke, für die es sich zu leben lohne. «Ich bin Bergsteiger, ich suche im Gebirge nach diesen Momenten», sagt Huber. «Aber jeder von Euch kennt diese Momente - in völlig anderen Situationen - und ist genauso süchtig danach.»

Huber präsentiert sich aber nicht nur als muskelbepackten Spitzensportler, er zeigt auch nachdenklichere Bilder von sich: Den Familienvater, der mit seiner Frau Marion, den beiden Söhnen Elias, Amadeus und Tochter Philomea in einer Kirche in Berchtesgaden sitzt. Ein festes Ritual, jedes Mal, wenn er zu einem neuen Abenteuer aufbricht.

Die tiefe Verwurzelung in seiner Heimat und die Liebe seiner Familie sind für den Erfolg dieses außergewöhnlichen Sportlers ebenso wichtig wie die perfekte Technik, mit der er die Steilwände erklimmt.

Dennoch macht er sich immer wieder auf zu neuen gefährlichen Abenteuern, egal ob im von den Taliban kontrollierten Hochgebirge von Pakistan oder in der klirrenden Kälte der Antarktis. Stets auf der Suche nach «Momenten, in denen man glaubt, die Zeit bleibt stehen.» In Hubers Videopräsentation taucht immer wieder eine Sanduhr auf, die den normalen Lauf des Lebens symbolisiert. Jedes Mal wenn ein spektakulärer Aufstieg an einer Steilwand beginnt, scheinen die Sandkörner für einen Moment innezuhalten. «In diesem Vakuum der Zeit erlebt man eine Freiheit und Freude, die alle Grenzen sprengt», sagt Huber.

Wer diesen vor Glück und Freude strotzenden Mann erlebt hat, geht - ob Kletterer oder nicht - auf jeden Fall mit dem Ziel nach Hause, wenigstens gelegentlich die gleichmäßig fließende Sanduhr des Lebens zum Stillstand zu bringen.

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