Damit wir im Notfall nicht verhungern

Kempten (sir). - Selbst gehobeltes Blaukraut, Semmelknödel, gefüllte Rouladen und vieles mehr haben 15 Männer aus Heiligkreuz selbst zubereitet und anschließend mit Wonne verspeist. Zwar ist ein Männer-Kochkurs heute nichts Ungewöhnliches mehr. Doch hier sind die meisten der Möchtegern-Köche Landwirte. Sie wollten von Ernährungsfachfrau Anneliese Wagner Kochgrundkenntnisse erhalten, 'damit wir im Notfall, wenn die Frau mal wieder auf einem Termin ist, nicht verhungern', meinte augenzwinkernd Ortsobmann Alfred Enderle. In der Lehrküche im Kemptener Amt für Landwirtschaft ist von andächtigem Kochen nichts zu spüren. Es herrscht gute Laune wie beim Stammtisch. Manche haben sich ein Fläschchen Bier auf die Kochtheke gestellt, andere kosten gleich den Rotwein, der eigentlich das Gulasch abrunden soll. Die Anweisungen von Anneliese Wagner werden großzügig umgesetzt. Ein Löffel Mehl oder ein Teelöffel Paprikapulver sind eben Ansichtssache.

'Luagt's amol her' 'Luagt's amol her', muss sich Kochmeisterin Wagner immer wieder Gehör verschaffen. Mal zeigt sie, welche Möglichkeiten es gibt, Soße zu binden, mal erklärt sie, dass an den Salat kein Obstessig gehört. Weißwein-Essig oder Balsamico seien da viel bekömmlicher. An diesem vierten und letzten Abend gibt es 'lauter Sachen, die schnell gehen', erklärt Wagner. Zuvor standen Suppen, dann Verschiedenes aus Hackfleisch und anschließend Fleischspeisen auf dem Speiseplan. 'Das Kochen hier ist eine Riesengaudi', sagt Norbert Schweikart, der zu Hause gerne mal selber kocht, 'weil das so entspannend ist.' Johann Prestel macht sich für die Gleichberechtigung stark: 'In der Landwirtschaft helfen uns die Frauen auch, da kann man ihnen doch mal in der Küche zur Hand gehen.' Wolfgang Steindle hat einen ganz pragmatischen Grund, das Kochen zu lernen: 'Meine Freundin ist Vegetarierin', sagt der Konstrukteur lapidar. Man darf vermuten, dass er gerne Fleisch isst. Rudolf Geiss, ehemaliger Lokalredakteur der AZ und jetzt im Ruhestand, wehrt gleich ab, dass er kein 'Koch par excellence' sei. Er vermutet, dass er zwei linke Hände hat. Aber Fleischküchle und Brätknödel gehören mittlerweile zu seinem Kochrepertoire, gibt der eingefleischte Junggeselle zu.

Stärkt die Dorfgemeinschaft Ortsbäuerin Friederike Rietzler hatte die Idee zu dem Kochkurs und motivierte die Männer in Heiligkreuz - egal ob Landwirt oder nicht - zum Mitmachen. Und mit der Ernährungsfachfrau vom Bayerischen Bauernverband, Anneliese Wagner, haben die Herren eine kompetente und humorvolle Lehrmeisterin. 'So eine Aktion stärkt die Dorfgemeinschaft', meint Zahnarzt Harald Denning, der schon mehrere Kochkurse belegt hat. Den von Anneliese Wagner schätzt er besonders, weil er auch den gesundheitlichen Aspekt berücksichtige: Denn auf viel Fett werde dabei verzichtet. Während der Zahnarzt öfter mal den Kochlöffel schwingt, bleibt Landwirt Prestel realistisch. Oft wird er wohl auch in Zukunft nicht am Herd hantieren. Da fehle einfach die Zeit. Und außerdem: 'Wenn alle Stricke reißen, dann haben wir ja noch die Oma im Haus.'

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