Kempten
Damit es klappt mit dem Glück

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In Japan essen die Menschen in der Silvesternacht eine Kloßnudel aus Klebreis. Die Spanier halten es mit zwölf Weintrauben, die mit den Glockenschlägen zum Jahreswechsel verspeist werden, und in Schottland wird gewartet. Auf einen großen jungen Mann, der nach Mitternacht mit einer Flasche Whiskey, einem Wecken Rosinenbrot und einem Stück Kohle in der Hand vor der Tür stehen sollte.

Klingt komisch? Bringt aber Glück. Zumindest glauben das die Menschen. Und mal ehrlich: So mancher Brauch, den wir hierzulande zum Jahreswechsel pflegen, mag dem Japaner oder Schotten ebenfalls spanisch vorkommen. Doch welche Sitten sind es, die dem Glück auf die Sprünge helfen sollen, welche Symbole gelten hierzulande als glückbringend und warum?

Wer richtig Glück hat, der hat, na? Genau: Schwein. Und manchmal sogar Saumäßiges. Aber wieso eigentlich? «Früher», weiß Heimatforscher Jochen König, «hatten die Leute kein Geld. Wer da ein Schwein besaß, der lebte im Wohlstand, denn er konnte es schlachten und hatte etwas zu essen.» Ein Leben im Glück führen demnach Veronika und Josef Kollmann, die in Wald bei Görisried eine Schweinezucht betreiben. Zwölf Muttersauen, ein Eber und jede Menge Ferkel - darunter ein zwölfköpfiger Wurf von Heiligabend - tummeln sich dort.

Schwein genug für zwei Menschen? «Die Sauen sind schon was fürs Seelenheil», schmunzelt Veronika Kollmann, die jedes ihrer Schweine beim Namen kennt. Fürs dauerhafte Glück, sagt die 56-Jährige, seien die rosigen Vierbeiner dann aber doch nicht allein zuständig: «Man hat schon trotzdem seine Wehwehchen.»

Dann vielleicht lieber zu einem Glücksbringer, der - zumindest ursprünglich - seltener ist als das Schwein: Das vierblättrige Kleeblatt. Die Tatsache, dass man es in freier Natur kaum findet, macht Oxalis, wie es im Fachjargon heißt, für die Menschen zu einem Symbol fürs Glück.

Wer das Glück zu Silvester in dieser Form verschenken möchte, muss aber nicht stundenlang suchend durchs Unterholz kriechen: In den Gärtnereien wie beispielsweise bei Inge Bunk in Kempten gibt es Oxalis satt. «Wir verkaufen zwischen Weihnachten und Neujahr rund 400 Töpfchen», sagt die Gärtnereichefin und auch, dass das zarte Glückspflänzchen gut gepflegt gehört: «In beheizten Räumen sollte man schon jeden zweiten Tag gießen.» Dann allerdings halte sich das vierblättrige Kleeblatt zäh und könne wochenlang tun, wozu es schließlich da ist: Glück bringen.

Nicht fehlen freilich darf an dieser Stelle einer, der ein wahrer Experte ist in Sachen Glück: Schornsteinfeger Johann Horil. «Wenn ich in der Fischerstraße unterwegs bin, komme ich vor lauter Glück bringen kaum zum Arbeiten», lacht er. Horil ist seit 1974 Kaminkehrer. Damals wie heute würden ihm immer wieder Leute auf die Schulter klopfen oder an den Knöpfen seiner Jacke drehen. «Das stammt aus dem Mittelalter», weiß Horil. Denn damals seien viele Kamine aus Holz gewesen. Und: «Wenn sie rußig oder voller Pech waren, sind die Häuser oft abgebrannt.» Der Kaminkehrer habe diese Gefahr gebannt und den Hausbewohnern somit Glück gebracht.

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