Da ist nur Ratlosigkeit

Kaufbeuren (bbm). - Erziehung statt Strafe - auf diesem Grundsatz beruht der Umgang der Justiz mit jungen Straftätern. Dass dieses Prinzip aber auch an Grenzen stoßen kann, zeigte sich in einem Diebstahlsverfahren gegen einen einschlägig vorbestraften 15-Jährigen. Obwohl Jugendamt und Jugendrichter bei dem jungen Übersiedler sämtliche Register von der Sprachförderung über eine Erziehungsbeistandschaft bis hin zu sozialer Arbeit gezogen hatten, scheiterte bislang jede Maßnahme am Desinteresse des Jungen. Für seine aktuelle Straftat - er hatte einen Motorroller gestohlen und war damit ohne Führerschein herumgefahren -, blieb deshalb nur ein Freiheitsentzug. Der Angeklagte wurde neben einer Verwarnung zu einem dreiwöchigen Dauerarrest und einer Führerschein-Sperre von neun Monaten verurteilt. Ein weiteres Diebstahlsverfahren wird unter der Voraussetzung nicht weiter betrieben, dass der Jugendliche nun - wie versprochen - endlich regelmäßig einen Sprachkurs besucht.

Der Mitarbeiter der Jugendgerichtshilfe schilderte, wie bisher sämtliche Maßnahmen, insbesondere der Erziehungsbeistand, gescheitert waren. Der zuständige Sozialpädagoge habe 'händeringend versucht, einen Kontakt aufzubauen', die Mitwirkung des Jugendlichen sei jedoch 'gleich null' gewesen. Auf die Frage des Richters, warum er dieses Hilfsangebot nicht genutzt habe, meinte der Jugendliche: 'Das ist zu Ende, weil ich es nicht wollte.' Angesichts dieser und anderer ablehnender Aussagen des Angeklagten machte sich im Gerichtssaal, wie es der Vertreter der Jugendgerichtshilfe formulierte, 'riesengroße Ratlosigkeit' breit. Zu den Hintergründen für das Verhalten des Jungen konnte der Jugendamtsmitarbeiter nichts Konkretes sagen: Der Jugendliche war zu keinem Gesprächstermin erschienen. Auf Nachfragen des Richters zur Kindheit des 15-Jährigen, stellte sich schließlich heraus, dass für ihn offenbar der frühe Tod seines Vaters ein einschneidendes Erlebnis war. Wie die sichtlich mitgenommene Mutter des Jugendlichen erklärte, habe sich ihr früher freundlicher und hilfsbereiter Sohn nach dem Tod ihres Mannes stark verändert und sei letztlich nicht mehr zu steuern gewesen. Der Richter bedauerte ausdrücklich 'die Renitenz und Hartnäckigkeit, mit der der Angeklagte jede Hilfe in den Wind geschlagen hat' und sah keine andere Möglichkeit, als ihn für drei Wochen in den Arrest zu schicken. Er machte dem Jugendlichen klar, dass schnell weitere Arrest-Wochen dazu kommen könnten, wenn er sich nicht an sein Versprechen zur Teilnahme am Sprachkurs halte.

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