Buchloe
«Da geht fast gar nichts»

Nur schleichend wächst der kleine blaue Balken am unteren Bildrand. Die Sanduhr, die in weißer Farbe auf dem Bildschirm leuchtet, deutet ein Rieseln an. Doch es passiert nichts. Erst nach endlosem Warten baut sich die Internetseite samt aufwendig animiertem Bild auf. Langsam, quälend langsam, Schicht für Schicht. Dieter Längle aus Honsolgen kennt diesen Vorgang, er erlebt ihn nahezu täglich bei der Arbeit am Rechner. Der Grund ist die langsame Internetverbindung. 0,7 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) sind hier am Ort das Höchste der Gefühle. «Besseres ISDN» nennt Längle es, der als selbstständiger Unternehmensberater auf eine schnelle Verbindung ins weltweite Netz angewiesen ist: «Man ist in seiner Arbeit schon sehr eingeschränkt», betont der 63-Jährige. Darüber, wie nervtötend und zeitraubend sich diese oft gestaltet, will er gar nicht reden.

Dieter Längle steht mit seinem Problem nicht alleine da, ist vielmehr ein Paradebeispiel. Verbindungsraten wie im alten Jahrtausend von unter einem Megabit pro Sekunde sind im Gebiet der Verwaltungsgemeinschaft Buchloe (VG) - wie in vielen anderen bayerischen Landgemeinden - keine Seltenheit (siehe Grafik). «Aus den Ortsteilen, die schlecht versorgt sind, erhalte ich fast täglich E-Mails», sagt Michael Egger vom Bauamt der VG: «Das Thema beschäftigt die Leute.» Für viele Ortschaften bestehe akuter Handlungsbedarf.

Noch deutlicher drückt es Franz Hauck, Bürgermeister der Gemeinde Jengen, aus, der in der VG für die Härtefälle Beckstetten und Weinhausen («Da geht fast gar nichts») verantwortlich ist.

Er spricht von einem großen Standortnachteil, von keinem tragbaren Zustand: «Es gab zwar noch keine Firma, die deshalb abgewandert ist, dafür jedoch viele, die deshalb nicht gekommen sind.»

Derzeit läuft die Breitbandversorgung - so nennt man einen Zugang zum Internet mit verhältnismäßig hoher Datenübertragungsrate - in der VG zum Großteil über DSL (siehe Infokasten). Diese Übertragungsart nutzt die Kupferkabel der Telefonleitung. Der Nachteil: Kupferleitungen weisen eine starke Signaldämpfung auf - der Grund dafür, warum beim Nutzer von den eigentlich verfügbaren 16 Mbit/s am Ende meist kaum mehr etwas ankommt.

In der VG-Verwaltung nimmt man das Problem ernst. Um die Situation nachhaltig zu verbessern, führte das Bauamt im Jahr 2008 bereits eine Ausschreibung durch. Allerdings mit wenig Erfolg. «Damals sind keine Angebote eingegangen, die dem individuellen Bedarf der einzelnen unterversorgten Ortsteile gerecht wurden und gleichzeitig die anfallenden Investitionskosten gerechtfertigt hätten», verrät Egger. In einem neuen Anlauf, der für Januar und Februar geplant ist, soll sich das nun ändern.

Und die Vorzeichen stehen gut: Nach einer zwischenzeitlich stark zurückgefahrenen Auftragsannahme kündigte die Telekom - als ehemaliger Monopolist und führender Anbieter in Deutschland der erste Ansprechpartner beim Thema Breitbandausbau - im September an, seine Zusammenarbeit mit den Kommunen wieder auszubauen.

750 Kooperationsverträge will das Unternehmen im Jahr 2009 schließen - knapp doppelt so viele wie im Vorjahr. Daneben erhöhte auch der Freistaat Bayern jüngst die Fördersumme für den Breitbandausbau pro Gemeinde von 50 auf nunmehr 70 Prozent, maximal jedoch 100000 Euro der Investitionskosten.

Inwieweit dieser Aufschlag jedoch weiterhilft, wird sich zeigen. Denn: Erfolgt ein Ausbau via Kabel - der nachhaltigste Weg der Breitbanderschließung - ist die Fördersumme des Freistaats ein Tropfen auf den heißen Stein. In diesem Fall wird eine Glasfaserverbindung mit geringer Dämpfung bis in die jeweilige Ortschaft verlegt. Doch das kostet. Und die Anbieter beteiligen sich daran in der Regel nur, wenn sich das Engagement für sie lohnt. Sprich: Der Profit aus den potenziellen Anschlüssen und der Investitionsbetrag müssen sich nach vier bis fünf Jahren gerechnet haben.

Gerade bei kleineren Ortsteilen, bei denen diese Rechnung nicht aufgeht, liegt es an den Gemeinden mit einem finanziellen Mehraufwand die Wirtschaftlichkeitslücke zu schließen.

Bei der VG geht man der neuen Ausschreibung mit viel Optimismus entgegen. «Wir erhoffen uns, individuell für jeden Ortsteil eine Lösung, die nachhaltig und finanziell umsetzbar ist und bedarfsgerechte Leistungen für private und gewerbliche Nutzer bringt», erklärt Egger. Andernfalls heißt es für die Bürger weiter: Auf die Sanduhr starren - und Geduld haben.

Aktuelle Informationen und die Ergebnisse der Ausschreibung gibt es unter www.buchloe.de

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