Memmingen
Computer löst Kuli ab

Kerstin und Jennifer sind aufgeregt. In einigen Minuten werden sie beim TÜV in Memmingen ihre theoretische Führerscheinprüfung ablegen. Aber statt auf Papierbögen beantworten die Fahrschülerinnen ihre Fragen an einem Computer.

Dieses neue Verfahren wird jetzt in Memmingen getestet. Bis Jahresende können sich die Führerscheinanwärter noch zwischen Papier und PC entscheiden. «Ab 1. Januar 2010 ist die Theorieprüfung am Computer aber in ganz Deutschland vorgeschrieben», sagt Michael Stahl, Service-Center-Leiter des TÜV-Süd in Memmingen. Schon jetzt entschieden sich aber die Meisten in Memmingen für die digitale Variante. Dabei wird den Prüflingen kein Fragebogen aus Papier mehr vorgelegt. Vielmehr beantworten sie die Fragen im theoretischen Teil neuerdings per Fingerdruck an speziellen Computern - ohne Maus und ohne Tastatur.

Tippen statt schreiben

Für die papierlose Prüfung, die in einigen Bundesländern bereits gang und gäbe ist, hat der TÜV in Memmingen 15 Computer mit berührungsempfindlicher Benutzeroberfläche («Touchscreen») angeschafft. Dort erscheinen die einzelnen Fragen an die Prüflinge, die wie bei der Papierform aus dem vom Gesetzgeber verordneten Fragenkatalog stammen.

So auch bei Kerstin und Jennifer. Statt mit einem Kuli ein oder mehrere Kreuzchen aufs Blatt zu machen, tippen sie nun mit dem Finger immer wieder auf die vermeintlich richtigen Antworten. «Das ist viel besser als früher», sagt die 19-jährige Jennifer: «Man kann die Bilder besser erkennen, Fragen immer wieder bearbeiten und falsch gesetzte Kreuze einfach und problemlos korrigieren.» Und wenn sich jemand nicht ganz sicher ist, ob er seinen Haken richtig gesetzt hat, kann er Fragen markieren, um sie sich später noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen.

Ein weiterer Vorteil ist laut Stahl der Umstand, dass sich der Computer hartnäckig meldet, wenn eine Frage im Prüfungsstress unbeantwortet geblieben ist.

Außerdem profitierten auch die Prüfer von der neuen Technik. «Die Auswertung geht schneller und einfacher», so Stahl. Früher musste der Prüfer mit einer Schablone Bogen für Bogen überprüfen. Heute schicken die Prüflinge ihre digitalen Bögen per Computer zum Prüfer. Der lässt sie anschließend von einem PC-Programm korrigieren und schickt sie wieder zurück an die Führerscheinanwärter. Das Ergebnis der Theorie-Prüfung steht nach einigen Sekunden fest. Auch bei Kerstin und Jennifer: «Bestanden».

Angst vor der digitalisierten Prüfung brauche niemand zu haben, sagt Stahl. Auch Computerkenntnisse seinen keine Voraussetzung für die Teilnahme. Und egal, ob Papier oder PC: Spicken beim Nachbarn sei immer noch sinnlos, denn die Zusammenstellung des individuellen Fragenkatalogs besorge ein Zufallsgenerator.

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