Oberreute
Chinesische Autos im Westallgäu unterwegs

Ungewohntes ist derzeit rund um Oberreute zu sehen: Dort fahren Autos, die es sonst nirgendwo auf europäischen Straßen gibt. Das Unternehmen GIF aus Alsdorf bei Aachen hat die Westallgäuer Gemeinde für zwei Wochen zu ihrem Testgebiet gemacht. Und getestet werden Autos, «Made in China».

Heinz-Dieter Schneider ist nicht nur der Leiter der zehnköpfigen Mitarbeitergruppe der Gesellschaft für Industrieforschung (GIF), die mit den chinesischen Fahrzeugen unterwegs ist. Er ist auch seit seiner Kindheit mit dem Allgäu verbunden. Damals kam er mit den Eltern im Urlaub hierher und lernte Sepp Wägele kennen. Beide sind heute 58 Jahre alt und gute Freunde. Schneider macht noch immer regelmäßig in Oberreute Urlaub und ist dann jeweils Gast bei Wägele, der 1987 das Landhotel «Krone» übernommen hat und damit eine über 160-jährige Familientradition fortsetzt.

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Diesmal ist Schneider nicht als Tourist gekommen, sondern im Auftrag seiner Firma. Die GIF entwickelt für die chinesische Shanghai Automotive Industrial Corporation (SAIC) ein Doppelkupplungsgetriebe. Das wollen die Chinesen in den «Roewe 750» einbauen. Dieser Fahrzeugtyp hat starke Ähnlichkeit mit dem früheren «Rover 75». Kein Zufall: SAIC hat sich die Designrechte von Rover gesichert, als die britische Traditionsmarke unterging, während die Namensrechte nach Indien wanderten.

Nach verschiedenen Veränderungen des Designs wünschen sich die Chinesen auch modernste Getriebetechnik und haben als Partner die deutsche GIF ausgesucht. Das Unternehmen ist weltweit der größte Prüfstandsbetreiber für Fahrzeuggetriebe. Das dabei gewonnene Know-How steckt die Firma auch in Eigenentwicklungen. Davon wiederum will der chinesische Automobil-Hersteller profitieren.
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Das inzwischen entwickelte Doppelkupplungsgetriebe muss Tests unterzogen werden. Dazu fanden im November bereits Testfahrten auf Teneriffa statt. Für die Fahrten im Gebirge und bei Kälte kamen Heinz-Dieter Schneider und sein Team nach Oberreute. Diese Entscheidung fiel nicht zuletzt aus Kostengründen, denn üblicherweise finden solche Tests in Skandinavien statt. Die kürzere Anreise, aber auch ein Pauschalangebot von «Krone»-Wirt Sepp Wägele waren ausschlaggebende Argumente.

Er kann dem zehnköpfigen Team in seinem Hotel nicht nur Zimmer und Verpflegung bieten. Dazu kommen ein Konferenzraum, eine Sauna und eine Kellerbar für die freie Zeit. Und: eine Werkstatt samt Hebebühne. Auch ein Funknetzwerk für den Zugang zum Internet im gesamten Hotelbereich stellt Wägele zur Verfügung. Dieses «All Inclusive»-Angebot deckt nicht nur den Bedarf des Technikerteams ab, es sorgt auch für große Zufriedenheit bei den GIF-Mitarbeitern.

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«Nicht zuletzt schätzen wir alle die familiäre Atmosphäre», so Schneider. Für die Arbeit ideal sind auch die Straßenbedingungen rund um Oberreute. Nebenstraße sind teilweise noch schneebedeckt und damit optimal für die Testfahrten. «Außerdem sind derzeit wenige Touristen unterwegs und wir können viele unterschiedliche Straßen mit Steigungen für die Tests nutzen» (Schneider).

In jedem Testfahrzeug sitzt neben dem Beifahrer ein Techniker, der mit einem tragbaren Computer die Messwerte und Notizen aufnimmt. Wieder im Hotel, erfolgt die Auswertung und bei Bedarf eine Änderung der Software und Neu-Kalibrierung der Getriebesteuerung. Die Ergebnisse gehen dann per Internet nach China - dort stehen derzeit weitere 15 «Roewe»-Modelle mit dem gleichen Getriebe. Bis 24.

Januar dauern die Testfahrten im Westallgäu. Ob es irgendwann auch einmal einen «Roewe 750» hierzulande zu kaufen gibt, bleibt abzuwarten. Zunächst zielen die Chinesen auf den großen Inlandsmarkt.

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