Caritas will wichtigste Aufgaben beibehalten

Sonthofen/Martinszell (wir). Die wichtigsten Aufgaben will der Caritasverband im Oberallgäu unbedingt halten wie die allgemeine Sozialberatung, Beratung für Familien in Not, Wärmestube, Sozialladen, den Mobilen Hilfsdienst, die Angebote bei Altenpflege-Demenz und den Bürgertreff Zahnrad. Das versicherte Vorsitzende Karin Henser auf der Mitgliederversammlung in Martinszell. Leider führten die massiven Sparmaßnahmen des Landkreises und des Freistaates aber dazu, dass für den Oberallgäuer Caritasverband die Luft immer dünner werde. Ein jährliches Defizit von 40000 Euro muss verkraftet werden, konnte im letzten Jahr nur durch eine unerwartete Erbschaft ausgeglichen werden. Darum werde darüber nachgedacht, ob Angebote wie die Schuldner- und Insolvenzberatung, Betreuungen und Frauensozialberatung beibehalten werden können. Für die Betroffenen eine Katastrophe, aber eine weitere Kürzung wäre hier das Todesurteil, schilderte Geschäftsführer Uwe Hardt den Ernst der Lage. Umso lobenswerter seien private Aktionen wie die der Bäckerei Münzel, die seit kurzem eine Schokosemmel produziert, von der 15 Cent Verkaufserlös an die Caritas und die Diakonie fließen. In der Bilanz freute sich Karin Henser über die gute Resonanz auf das Jubiläumsfest des Caritas-Sozialzentrums. Die Idee, Festliches und Fachliches unter einen Hut zu bringen, sei gut angekommen. Trotz prekärer Finanzsituation werden Pläne aus dem vergangenen Jahr weiter verfolgt. So werde der Caritas-Laden in Immenstadt am Kirchplatz gerade eingerichtet. Die Bäckerei Münzel habe Theke und Regale gestiftet und für andere Einrichtungsgegenstände gehe man derzeit hausieren. Ein Problem sei, wie überall, die Suche nach ehrenamtlichen Helfern.

In der Kleiderstube konnte der Umsatzrückgang nicht ausgeglichen werden. Dennoch wurden 2003 über 10000 Euro eingenommen. Und dass keineswegs unmoderne Klamotten feilgeboten werden, sondern durchaus auch schicke Sachen, habe die Modenschau auf dem Jubiläumsfest eindrücklich belegt. Die nach einer Leser-Aktion unserer Zeitung von Möbel Lederle gespendete neue Küche sei für die Wärmestube ein echter Segen und habe bei der Einweihung mit Betroffenen und Sponsoren viel Lob erhalten. Der ambulante hauswirtschaftliche Dienst schrumpfe weiter: bei Einsätzen, Umsätzen und auch beim Personal. Die Einsatzstunden seien um 19 Prozent gesunken, der Umsatz gar um 21 Prozent. Eine 30-Stunden-Kraft wurde darum ab Mitte 2004 eingespart. Die offene Behindertenarbeit gestaltete sich mit Gottesdiensten, vielen Veranstaltungen, einem von Kindern thematisch gestalteten Kalender und der Standard-Arbeit. Der Bereich Pflegende Angehörige und Demenz/ Alzheimer erhalte immer mehr Gewicht. Die Bereiche Betreuungen, Frauensozialberatung und Schuldnerberatung stehen laut Uwe Hardt ernsthaft auf dem Prüfstand. Besonders tragisch sei dies im Fall der Schuldnerberatung, weil die Nachfrage nach diesem Dienst weiter ansteigt, die bayerische Regierung sich aber zur weiteren Finanzierung in Schweigen hülle. Viele gehen nicht mehr zum Arzt Die neuen Regelungen der Gesundheitsreform waren Thema des Referats, das Uwe Hardt als Abschluss der Mitgliederversammlung hielt. In der lebhaften Diskussion kritisierte der Geschäftsführer vor allem die Zuzahlungen der Patienten in häuslicher Pflege. Insbesondere alte Menschen seien verunsichert, so Hardt. Sie müssten Praxisgebühr zahlen, zusätzlich zehn Euro für die Erstellung der ärztlichen Verordnung und auch noch zehn Prozent der häuslichen Pflege selbst übernehmen. Konsequenz: Viele gingen gar nicht mehr zum Arzt, was in der Folge sicher schlimmere und damit teurere Erkrankungen nach sich ziehen könne.

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