Brustvergrößerung im TV liefert Beweise

Kaufbeuren/Ostallgäu (bbm). - Mit einem Schuldspruch wegen Betrugs und der Verurteilung zu 30 sozialen Arbeitsstunden endete vor dem Kaufbeurer Jugendgericht ein Verfahren gegen eine 22-Jährige Ostallgäuerin. Die junge Frau hatte vor rund einem Jahr Arbeitslosengeld bezogen und dem Arbeitsamt zunächst nicht mitgeteilt, dass sie mit Table-Dance in einem Kemptener Nachtclub Geld verdiente. Als Beweisstück lag dem Gericht die Video-Aufzeichnung einer TV-Sendung vor, in der neben einer Brustvergrößerung der Angeklagten und ihrer Zwillingsschwester auch die Arbeit im Nachtclub gezeigt wurde. Die Schwestern waren bei einer Razzia, die im Frühjahr vergangenen Jahres in dem Kemptener Lokal stattfand, erstmals ins Visier der Ermittlungsbehörden geraten. Es stellte sich heraus, dass beide seit November 2002 als Tänzerinnen aufgetreten waren. Diese Beschäftigung hätten die jungen Frauen dem Arbeitsamt unverzüglich mitteilen müssen. Aus dem Verfahren ging jetzt hervor, dass die Meldungen jedoch erst nach der Razzia abgegeben wurden. Dadurch hatte die Angeklagte laut Anklageschrift insgesamt 225 Euro Arbeitslosengeld zu viel bekommen. Die Zwillingsschwester der 22-Jährigen erhielt in der Folge einen Strafbefehl über 400 Euro, den sie nach eigenen Angaben zwischenzeitlich bezahlt hat. Dass es gegen ihre Schwester zu einer Verhandlung kam, lag mit an einer Presse-Notiz, in der auf einen Magazin-Beitrag bei einem privaten Fernsehsender verwiesen wurde.

Detaillierte Angaben zum Job Der Film zeigte dann nicht nur die Brustvergrößerung der Zwillinge in einer polnischen Klinik, sondern enthielt auch detaillierte Informationen zu ihrer Arbeit im Nachtclub. Die Staatsanwaltschaft ließ sich eine Video-Aufzeichnung der Sendung schicken und erhob Anklage. Als der Richter der 22-Jährigen jetzt vorhielt, sie habe in dem Nachtclub laut der Fernsehsendung sechs Tage die Woche gearbeitet und dabei 300 Euro pro Schicht erhalten, erklärte die junge Frau dies als eine Art PR-Aktion zugunsten des Nachtclub-Besitzers. Der Mann habe sein Geschäft, das seinerzeit nicht so gut lief, wieder 'in Schwung bringen wollen'. Tatsächlich hätten sie und ihre Schwester zum fraglichen Zeitpunkt nur ein bis zweimal die Woche getanzt und dafür eine Grundgage von 70 Euro pro Abend erhalten. In dieser Höhe bewege sich auch ihre derzeitige Auftritts-Pauschale in einem Nachtclub in Baden-Württemberg. Der Staatsanwalt schätzte das Einkommen der jungen Frau auf 'irgendwo in der Mitte' zwischen ihren Angaben und denen der Fernsehsendung und beantragte eine Geldstrafe von 1400 Euro. Daraufhin brach die Angeklagte in Tränen aus und beteuerte völlig aufgelöst, sie verdiene keinesfalls so viel wie angenommen. Sie müsse zudem monatlich 1000 Euro für Schulden bezahlen aus offenen Handy-Rechnungen und Bestellungen bei Versandhäusern. Wie die Angeklagte gegenüber der Jugendgerichtshilfe erklärt hatte, dienten die Table-Dance-Auftritte vor allem dem Abbezahlen dieser Außenstände. Danach wollten sie und ihre Schwester eine Ausbildung zur Kosmetikerin machen. Nach Einschätzung des Jugendamtes war wegen Reifeverzögerungen bei der jungen Frau die Anwendung von Jugendrecht zu empfehlen. So sah es auch der Richter. Vor dem Kadi

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2018