Brotzeit neben Janne Ahonen

Von Thomas Schreiber | Kaufbeuren Beim Skispringen sind Namen wie Janne Ahonen, Thomas Morgenstein oder auch der deutsche Senkrechtstarter Michael Neumayer selbst dem nicht so Bewanderten ein Begriff. Nikolaj Karpenko oder Radik Zhaparov zählt man dagegen nicht unbedingt zu den Überfliegern der Branche. Doch genau diese Jungs aus Kasachstan sind für den Kaufbeurer Helmut Bauer alljährlich zur Vierschanzentournee das Sprungbrett in das Mekka des Skispringens.

Glück und Idealismus

Der Zufall, ein wenig Glück und ein gehöriger Schuss Idealismus waren dafür verantwortlich, dass der 41-jährige bei der Vierschanzentournee 2007/2008 nun schon zum vierten Mal als offizieller Betreuer für das Team Kasachstan akkreditiert wurde. Bei seiner Bewerbung als ehrenamtlicher Helfer für die Nordische Ski-WM 2005 in Oberstdorf ahnte er nicht, dass ihn dieser Sport einmal derart faszinieren würde.

Seine Fahrlehrerausbildung half ihm dabei, dass er schon 2004 zu den dortigen Weltcup-Veranstaltungen dem Fahrdienst zugeteilt wurde. 'Anfangs habe ich mich noch darüber amüsiert, als ich sah, wie die Kasachen ihre Utensilien für den Wettkampf in Plastiktüten zum Stadion transportierten', erzählt Bauer von den eklatant ungleichen Rahmenbedingungen. Die Not machte ihn daraufhin erfinderisch. So zog er damals los, um an einer Kaufbeurer Tankstelle um Sporttaschen und Rucksäcke zu betteln, die es seiner Zeit bei einer Treueaktion gab. 'Das war für die Jungs wie Weihnachten', beschreibt Bauer den Moment, als er die Taschen übergab.

Welchen Eindruck er dabei bei den Verantwortlichen hinterlassen hatte, merkte er bereits im darauf folgenden Jahr. 'Im Oktober 2005 bekam ich einen Anruf, ob ich nicht für die Mannschaft beim Landratsamt in Sonthofen bei den Visa-Anträgen behilflich sein könnte, da es mit der Sprache immer etwas Probleme gebe', so Bauer. Spätestens jetzt stand einer weiteren Zusammenarbeit von ihm und dem Team Kasachstan nichts mehr im Weg.

Videoaufnahmen vom Absprung

Zur Tournee 2005/2006 durfte er bereits als Offizieller am Medienspektakel teilnehmen. Vom Fahren mit dem Mannschaftsbus, Besorgen der Startnummern, Einkaufen bis hin zu Videoaufnahmen vom Absprung ist Helmut Bauer dabei keine Arbeit fremd. Für den damaligen Trainer Joachim Winterlich - dieser hatte in früheren Jahren auch schon Jens Weißflog betreut - war das ehrenamtliche Engagement des Kaufbeurers Gold wert, da die Gelder im kasachischen Verband nicht so üppig fließen und nicht selten sogar auf einen Servicemann verzichtet werden musste. 'Da kommt es schon vor, dass man sich eine gebrochene Bindung vom Deutschen Servicemann reparieren lassen musste', erzählt Bauer.

Überrascht zeigte er sich vom zwanglosen Treiben hinter den Kulissen. Während er zusammen mit den Kasachen bei Sekt und Wodka - in Maßen - auch schon mal den Jahreswechsel gefeiert hat, geben sich auch die weitaus Prominenteren normal. 'Da ist es auch nichts Außergewöhnliches, wenn man neben einem Janne Ahonen im Verpflegungszelt der Aktiven steht und Brotzeit macht', erzählt der inzwischen arrivierte Skisprung-Fan, der dem diesjährigen Tourneesieger keinerlei Starallüren nachsagt. 'Sogar unmittelbar nach seinem Gesamtsieg in Bischofshofen, als ihn unzählige Fotografen und Reporter belagerten, nahm er sich Zeit für ein Erinnerungsfoto', schwärmt Bauer. Die letzte Station der Tournee hat durch seine traditionelle Abschlussparty immer ihr ganz besonderes Flair, das er auch in Zukunft nicht missen möchte.

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