Marktoberdorf
Bowlen für die Fitness

Noch ist es im Wintergarten des Clemens-Kessler-Hauses ganz ruhig. Ein Blick in die Gesichter zeigt: Skepsis. Und doch - ein bisschen Neugier regt sich in den Minen der sechs Senioren und Seniorinnen. Sie sind zusammengekommen, um etwas ganz Neues auszuprobieren: Sie sollen Bowlen, und zwar am Fernsehschirm, mit einer Fernsteuerung in der Hand. Elvira Spaun murmelt leise vor sich hin, was sich auch die Anderen denken: «Ach mei, was ich in meinem Alter jetzt noch alles anfang. Ich schau mir das jetzt erstmal a bissl an.»

Dann steht Hans Fischer vor dem Bildschirm, macht zusammen mit Domenic Häuserer, der ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) absolviert, ein paar erste Versuche und stößt die Bowlingkugel: Strike! Alle zehn Kegel auf dem Bildschirm fallen. Und plötzlich ist es im Wintergarten überhaupt nicht mehr ruhig: Alle im Raum klatschen, rufen ihm lautstark Glückwünsche zu. Ein breites Lachen zeigt sich in jedem Gesicht. «Es sind diese Erfolgserlebnisse, die jeder von uns genießt und braucht, auch unsere Senioren», erklärt Annemarie Heider, Leiterin vom Sozial- und Betreuungsdienst im Clemens-Kessler-Haus.

Auslöser für den Testlauf war eine Studie der Universitätsklinik Erlangen. Laut dieser können ältere Menschen ihre geistigen und körperlichen Fähigkeiten steigern, indem sie mit einer modernen, 2006 von Nintendo entwickelten, Videokonsole namens «wii» spielen. Ganz bequem vom Sofa aus werden am Fernseher verschiedene Sportarten imitiert. Viele Seniorenheime arbeiten mittlerweile mit der Konsole.

Im mittleren Ostallgäu ist sie in Seniorenheimen bislang aber nicht vertreten. Das Marktoberdorfer Clemens-Kessler-Haus ist mit seinem Testlauf in der Region der Vorreiter. «Wir wollten die Konsole mit unseren Senioren einfach mal ausprobieren, bevor wir uns ein Urteil bilden. Wir haben spontan beim Personal herumgefragt und uns die «wii» von einem Mitarbeiter geliehen», erklärt Annemarie Heider.

Senioren gehen aus sich heraus

Die positiven Reaktionen ihrer Bewohner bestärken sie in ihrem Versuch. Die Senioren lachen, klatschen, tauen auf. Auch eigentlich ruhige Bewohner gehen aus sich heraus. Hans Fischer begeistert seine Mitspieler gerade mit einem dritten Strike und fügt aufmunternd hinzu: «Das bringt ihr alle schon auch noch fertig. Es braucht einfach nur a bissl Zeit.» Da macht es auch nichts, wenn nicht jeder Wurf gelingt.

Der erste Testlauf mit der Videokonsole geht dem Ende zu. Die Bewohner müssen langsam zum Tee -auch wenn sie lieber noch ein wenig spielen würden. Von der anfänglichen Zurückhaltung ist nichts mehr zu spüren. Erich Reisner schüttelt lachend den Kopf: «Was man auf die alten Tage noch alles macht. Aber gut war´s!» Bestimmt war dieser Testlauf somit nicht die letzte Bowlingstunde im Clemens-Kessler-Haus.

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