Westallgäu
Boni führen zu «schlechter Führung»

Keine langen Reden mehr, dafür eine Mischung aus Informationen zu aktuellen Themen und Unterhaltung - so hat die Industrie- und Handelskammer ihren Neujahrsempfang in Lindau präsentiert. Bei den Gästen kam es an.

Mittags noch in Davos

Mit Prof. Dr. Thielemann hatte die IHK einen Mann verpflichtet, der mittlerweile einen Ruf in Europa hat. Mittags war der Vizedirektor des Institutes für Wirtschaftsethik an der Universität St. Gallen noch beim Weltwirtschaftsforum in Davos, abends dann beim Neujahrsempfang in Lindau. Sein Thema: «Boni», also variable Vergütungen, die sich meist an den Gewinnen der Unternehmen bemessen. Beeinflussen sie «eine gute Unternehmensführung?» war die Frage, der er konkret in Lindau nachging. «Ja», sagt der Wissenschaftler, «sie führen zu einer schlechten Unternehmensführung».

Grundsätzlich hält der 49-Jährige schon die Gewinnmaximierung - in der klassischen Betriebswirtschaft nach wie vor als das Unternehmensziel gelehrt - für «unethisch». Denn Gewinnmaximierung bedeute «buchstäblich alles zu tun, um möglichst hohe Gewinne zu erzielen», alles andere werde zum Mittel. Vielmehr, sagt der Wirtschaftsethiker, müsse es darum gehen, eine möglichst werthaltige Leistung für den Kunden zu erbringen. «Es geht um eine sachlich gute Herstellung eines Dinges, um einen fairen Umgang mit dem Kunden und den Leuten, die es produzieren». Das, so Thielemann schließe eine ordentliche Verzinsung des Kapitals, sprich Gewinn, nicht aus.

Die Boni für Manager hält er aus zwei Gründen für moralisch unangebracht. Zum einen wegen ihrer Höhe für die Top-Führungsleute. «Sie haben den Wert eines Unternehmens nie alleine gesteigert», so Thielemann. Es gehe darum, «alle zu beteiligen, die zu der Wertschöpfung beigetragen haben.» Zum anderen hält Thielemann von Boni nichts, weil sie «falsche Anreize schaffen». «Manager haben sich ihre Professionalität abkaufen lassen», sagt er: «Sie denken nicht mehr an die gute Aufgabenerfüllung, sie schauen nur auf die Kennzahlen, an denen sich die Boni orientieren». Die Beschäftigten würden dadurch vom Mitarbeiter zum Produktionsfaktor. Die Boni zu verringern, am besten ganz abzuschaffen, hält der Wirtschaftsethiker für «das Gebot der Stunde», «ansonsten ist der integre Mitarbeiter der Dumme.»

Trotz des Vortrags hatten mit «Boni» bedachte Manager an dem Abend etwas zu lachen: Dafür sorgte Josef Bertl, Kabarettist und Unternehmensberater, mit einem 20-minütigen Dauerfeuerwerk an Sprüchen.

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