Bodycheck auf heißem Asphalt

Von Bernhard Junginger Memmingen/Vöhringen/Namibia - Wenn Eishockey-Spieler träumen Dann sehen sie sich als Profis oder Nationalspieler, vielleicht einmal als Trainer. Immer spielen sich diese Träume auf kaltem Eis ab. Nie auf flirrend heißem Asphalt. Nie im südlichen Afrika. Nie in Namibia. Doch für den vom Eishockeysport begeisterten Kneipier Zeljko Jauernig, einst für mehrere Clubs in Memmingen aktiv, geht dieser nie geträumte Traum jetzt in Erfüllung: Er wird professioneller Inline-Hockey-Trainer in der namibischen Hauptstadt Windhoek. Wann immer er erzählt hat, warum er seine Zelte hier abbricht, hat er Kopfschütteln geerntet: Bei den Gästen im 'Puck' in der Memminger Eissporthalle ebenso wie bei den Kameraden der Hobby-Mannschaft des EC-Senden. 'Inline-Hockey-Trainer? Wo? In Namibia? Ja bist Du verrückt geworden?' Geduldig erzählt der 33-Jährige dann wieder seine Geschichte: Wie er im Internet auf die Stellenanzeige gestoßen war, in der die 'Windhoek Casadores', ein erfolgreiches Inline-Hockey-Team aus Namibia, einen Trainer suchten. Und er dann Kontakt aufgenommen hat und im Januar für ein mehrtägiges Probe-Training in die nur 1,8 Millionen Einwohner zählende Republik im Südwesten Afrikas geflogen ist. Wo er ein Angebot erhielt, das er nicht ausschlagen konnte. Wie der ehemalige Eishockeyspieler in Windhoek erfuhr, ist Inline-Hockey in Namibia sehr populär. 'In einer Serie wird der nationale Meister ausgespielt, der dann gegen Teams aus Nachbarländern wie Südafrika oder Botswana noch um die Meisterschaft des südlichen Afrikas kämpft.' Für Jauernig ist die Sportart, die mit Inline-Skates auf Asphalt gespielt wird, die 'Ersatzdroge' für den Sommer, wenn kein Eishockey möglich ist. Zitat Dieser Kontinent hat mich seit einem Urlaub in Südafrika fasziniert, und auch vom Probetraining war ich sofort begeistert.} Zeljko Jauernig Quer durch verschiedene Ligen spielt Jauernig, der mit zehn Jahren begann; unter anderem in Memmingen und Senden, und er wird zum Sport-Legionär der besonderen Art: 'Ich war nach der Wende vermutlich der erste bayerische Spieler, der nach Sachsen ging. Im Vertrag beim Regionalligisten Crimmitschau war sogar ein Trabi als Dienstfahrzeug drin.' Eine schwere Knieverletzung unterbricht Jauernigs Laufbahn 1996 jäh.

Der studierte Betriebswirt verlegt sich auf die Gastronomie und spielt Eishockey nur noch in der Freizeit. Trotzdem reicht es mit dem ECDC Memmingen in der Saison 2000/2001 zum Aufstieg in die Landesliga. Dann aber ist endgültig Schluss, lediglich in der Freizeitmannschaft des EC Senden schwingt er den Schläger. Und jetzt also Inline-Hockey in Namibia. Bei den 'Casadores' wird er Mannschaften sämtlicher Altersklassen sowie das Damen-Team betreuen. Mit der ersten Herrenmannschaft geht es gegen starke Konkurrenz um den nationalen Titel. Im Viertel 'Klein-Windhoek' bekommt Jauernig ein Haus, Verpflegung und Auto gestellt. Als Salär erhält er etliche Hundert Euro - für deutsche Verhältnisse bescheiden, in Namibia ist damit aber ein sorgenfreies Leben möglich. Um seine drei Lokale in Deutschland kümmern sich während seiner Abwesenheit Geschäftspartner. Die meisten der Spieler bei den 'Windhoek Casadores' seien Angehörige der wohlhabenden Oberschicht, zum Großteil Weiße. 'Für schwarze Kinder und Jugendliche ist die Ausrüstung zu teuer', bedauert Jauernig. So plant er zusammen mit Schulen und dem Verein ein Projekt, das auch Kindern aus ärmeren Familien das Inline-Hockey ermöglichen soll. 'Momentan bin ich auf der Suche nach Sponsoren und günstigen Ausrüstungen', sagt er. Für eine Saison hat Jauernig in Windhoek unterschrieben - mit Option auf eine weitere. Was Jauernig erst seit kurzem weiß: In Namibia gibt es auch 'echten' Eishockeysport. Der Club 'Windhoek Lions' besteht fast nur aus 'seinen' Spielern bei den 'Casadores'. Bisher sind sie auf die Eishalle im viele hundert Kilometer entfernten Kapstadt in Südafrika angewiesen. 2005 aber soll in Windhoek eine Eissporthalle fertig gestellt werden. Jauernigs Spieler bilden den Kern der namibischen Eishockey-Nationalmannschaft, die sich als Fernziel die Teilnahme an der C-Weltmeisterschaft gesetzt hat. Wer weiß, vielleicht heißt der Trainer dann Jauernig

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