Marktoberdorf / Stötten
«Blut zu spenden muss attraktiver werden»

«Blut zu spenden ist eine so einfache Art, anderen Menschen etwas Gutes zu tun. Darum bin ich heute Abend hier», erklärt Gabi Gast und nimmt auf einer der zehn Liegen Platz. Sie ist an diesem Abend eine von rund 70 Spendern, die zum Blutspendetermin nach Stötten gekommen sind.

Wie hier, haben Menschen im mittleren Landkreis Ostallgäu jährlich rund 30-mal Gelegenheit, Blut beim Blutspendedienst (BSD) des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) zu spenden. Doch auch wenn sich der mittlere Landkreis im bayernweiten Vergleich recht gut präsentiert: Tendenziell spenden immer weniger Menschen Blut. Auch in der Region. «Vor allem 24- bis 40-Jährige sind unter den Spendern kaum vertreten», klagt Claus-Peter Lang, BSD-Gebietsreferent für Südschwaben. «Dabei zeigt allein der Blick in bayerische Kliniken wie wichtig Blutspenden sind: 2400 Konserven reichen für nur einen Tag.» Doch während der Bedarf an Blutkonserven stetig steigt, sinkt die Zahl der Spender. Das weiß auch Gabi Gast: «Meine Tochter arbeitet selbst in einem Blutdepot und klagt über Engpässe bei den Blutkonserven.

Deswegen ist es meinem Mann und mir so wichtig, regelmäßig Blut zu spenden.»

Zu wenig im Bewusstsein

Gründe für den Rückgang gibt es viele. Entscheidend sei allerdings, dass bei der jungen Generation die Bereitschaft abnehme, sich ehrenamtlich zu engagieren. «Jüngere Menschen haben heute oftmals eine hohe Erwartungshaltung. Viele verlangen eine Gegenleistung», erklärt Anton Seitz, BSD-Teamleiter in Stötten. Doch dass ein Spender für seine Blutspende auch künftig nicht bezahlt werden dürfe, steht für Alexander Denzel, BRK-Sachgebietsleiter für den Kreisverband Ostallgäu, außer Frage. Aber auch er betont: «Blutspenden muss attraktiver werden!»

Vor allem müsse versucht werden, das Thema stärker ins Bewusstsein der Menschen zu rufen. «Viele beschäftigen sich erst dann damit, wenn sie selbst oder jemand aus ihrem Bekanntenkreis dringend eine Blutkonserve benötigen», erklärt Denzel.

Um speziell Jugendliche als künftige Spender zu animieren, «müssen wir verstärkt über Vereine oder Schulen an die jungen Erwachsenen herantreten und versuchen, sie etwa über Wettbewerbe zu begeistern», betont Lang. Denn während das Spenden für ältere Menschen bis heute meist ein «gesellschaftliches Ereignis» ist, bei dem man sich trifft und gemeinsam etwas Gutes tut, fehle dieses Gefühl bei den Jüngeren. Vor allem in der Stadt.

In Stötten herrscht an diesem Abend eine familiäre Atmosphäre. Viele Spender kommen seit Jahren, kennen die Mitarbeiter persönlich. Aber auch neue Gesichter sind dabei, wie etwa Richard Jäger. Der 21-jährige Bernbeurer spendet zum ersten Mal. Er will Anderen helfen und findet Blutspenden «einfach eine gute Sache» - auch dann noch, als er sich wieder von seiner Liege erhebt. Vielleicht bringt er das nächste Mal ja ein paar Freunde mit.

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