Bittere Pille für Bürger Reicholzrieds

Dietmannsried-Reicholzried(raf). - Eine extreme Gebührensteigerung müssen die Bürger im Dorfbereich von Reicholzried verkraften: Ab Juli werden für den Kubikmeter Abwasser 1,92 Euro fällig (bislang 1,02 Euro). Zugleich klettert die Gebühr für Niederschlagswasser von 10 auf 18 Cent pro Quadratmeter unbebaute Grundstücksfläche. 'Wir wissen, dass das eine äußerst bittere Pille für die Bürger ist', bittet Rathauschef Hans-Peter Koch um Verständnis für die Entscheidung des Gemeinderats. Doch eine rasante Streigerung der Betriebskosten in der Reicholzrieder Kläranlage mache diesen Schritt unumgänglich. Seit dem Anschluss Dietmannsrieds ans Netz des Abwasserverbandes Kempten gelten für Reicholzried gesonderte Gebühren. Denn die Schmutzfracht aus dem knapp 700 Einwohner starken Ortsteil wird (mit Ausnahme der Außenbereiche) direkt vor Ort geklärt. 'Und das ist nicht billig', wie der Bürgermeister betont. Mussten die Reicholzrieder schon bislang tiefer in die Tasche greifen als die meisten Mitbürger, so kostet sie die Abwasser-Klärung künftig mehr als das Doppelte.

An der Kapazitätsgrenze Hintergrund: Bis Ende 2003 kletterte das Betriebskosten-Defizit für die 1984 gebaute Kläranlage abrupt auf rund 24000 Euro. Schuld daran war laut Koch vor allem der teure Einsatz zusätzlicher Chemikalien, um die strenger gewordenen Grenzwerte einzuhalten. Sei die auf 650 Einwohnergleichwerte ausgelegte Anlage doch allmählich an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt. 'Diese Mehrkosten mussten wir umlegen - dazu sind wir sogar per Gesetz verpflichtet', bedauert Koch. Die Gebühren maßvoll in Etappen anzupassen, sei nicht möglich gewesen, so Koch auf Nachfrage unserer Zeitung. 'Schließlich hat sich der Kostensprung erst im zweiten Halbjahr 2003 herausgestellt.' Und durch überhöhte Gebühren vorab ein Finanzpolster anzulegen, sei weder erlaubt noch sei es bürgerfreundlich. Addiert man die Reicholzrieder Gebühren für Schmutz- und Niederschlagswasser, so werden künftig pro Jahr rund 30000 Euro mehr (insgesamt 64000) in den Gemeindesäckel gespült - exakt die Höhe der kalkulierten Unkosten. Bemerkbar mache sich die Anhebung aber erst mit der Abrechnung 2005. Auch die Bewohner der Außenbereiche bleiben wohl künftig von höheren Kosten nicht verschont: 'Das Landratsamt drängt massiv auf eine Nachrüstung der Klärgruben, da muss heuer noch einiges passieren', so Koch. Und was sagen die Bürger zu dieser Entwicklung? Koch: 'Ich habe bislang noch keine verärgerten Reaktionen erlebt.'

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