Heimenkirch
Bilder von Franz Osterried waren lange verborgen

Die Fastenzeit steht für Christen im Zeichen der Vorbereitung auf Ostern. Doch vor der Auferstehung stehen Leiden und Tod Jesu. In 14 Stationen beschreiben Bildnisse in Kirchen die Passion - von der Verurteilung durch Pilatus bis zur Grablegung - und laden Gläubige zu Gebet und Meditation ein. In der Pfarrkirche St. Margareta in Heimenkirch erzählen große Bilder von Franz Osterried die Leidensgeschichte.

Der Pfrontener Kirchenmaler hat die 14 Kreuzwegstationen ebenso geschaffen wie die Tafelbilder des Hochaltares und der Seitenaltäre. Nach einer Rechnung vom 14. September 1851 erhielt er für ein Seitenaltarblatt und die Stationen 300 Gulden Abschlagszahlung.

Die älteren Heimenkircher freilich wissen, dass Osterrieds bildliche Darstellung der Passion über Jahrzehnte aus Gründen des Geschmacks nicht zu sehen waren. Als nämlich im Jahr 1899 die Pfarrei St. Margareta dem Stadtkaplan Franz Xaver Hoegel aus Augsburg übertragen wurde, veranlasste dieser, die alten Stationen durch andere zu ersetzen. Der damalige Bürgermeister protestierte zwar dagegen - ohne Erfolg.

Ein halbes Jahrhundert später befanden die mit der Restaurierung der Kirche befassten Fachleute, dass Osterrieds Bilder von höherem künstlerischen Wert und weniger kitschig seien als die neuen. Und so wurden sie vom Leutkircher Restaurator Lutz wieder freigelegt und aufgefrischt. Andere Werke Osterrieds jedoch bleiben verschwunden. Seine Apostelbilder etwa wurden durch Gemälde des Lindenberger Künstlers Maximilian Bentele ersetzt.

Die zwölf Apostel Benteles wirken denn auch sehr dominant über den 14 Kreuzwegstationen. Sie sind in kräftigen Farben ausgeführt, die glänzend-goldenen Hintergründe ziehen den Blick auf sich. Und so tut sich der Kreuzweg gar nicht leicht, die Aufmerksamkeit des Betrachters zu gewinnen. Auch von der Motivausführung her ist er eher zurückhaltend. Und nicht zuletzt haben vermutlich Übermalung und Restaurierung dazu geführt, dass die Bilder an Strahlkraft und Deutlichkeit verloren haben.

Dennoch lassen die Malereien eine Aussage erkennen. Osterried stellt seinen Christus fast schon erschreckend abgeklärt dar. Bei der VII. Station («Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuze») zeichnet kein Schmerzensausdruck das Gesicht des Gemarterten. Die Grausamkeit des Geschehens spricht kaum aus dem Bild.

Gesenkter Blick

Fragen werfen auch die Darstellungen der Vertrauten Jesu auf. Seine Mutter etwa (IV. Station) senkt bei der Begegnung mit ihrem gequälten Sohn den eher abgewandten Blick. Bei der Kreuzigungsszene (XII. Station) schauen die Umstehenden nicht zum Gekreuzigten auf, sie blicken vielmehr aus dem Bild heraus zu Boden und wirken seltsam unbeteiligt.

Wenig Verzweiflung und kein Aufbäumen malt Osterried in seine künstlerische Interpretation der Passion. Möglicherweise hält er die Ungeheuerlichkeit des Geschehens nicht für darstellbar. Oder der aufs Jenseits bezogene Sinn von Jesu Kreuzestod ist für ihn so klar und unumstößlich, dass er diesseitiges Leid nicht intensiv thematisieren will.

Überraschend sind da die letzten beiden Stationen. Als Leichnam wirkt Jesus in Osterrieds Bildern fast menschlicher als während des gesamten vorangegangenen Martyriums.

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