Kaufbeuren / Marktoberdorf
Bewährung für Exhibitionisten

Wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern ist ein 59-jähriger Angeklagter vom Kaufbeurer Jugendschöffengericht zu einer einjährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Der Mann hatte sich im März vergangenen Jahres bei der Marktoberdorfer Realschule vor zwei 13-jährigen Schülerinnen entblößt und an seinem Geschlechtsteil hantiert (wir berichteten). Vor Gericht war er nach anfänglichen Ausflüchten geständig.

Zum Auftakt des Verfahrens hatte der Mann, der in den 1970er Jahren bereits wegen exhibitionistischer Handlungen verurteilt worden war, noch versucht, den aktuellen Vorfall als ein Missverständnis zu erklären. Er habe sich seinerzeit «nach ausgiebigem Kaffeegenuss an einer Hecke erleichtern» wollen und dabei nicht bemerkt, dass dort Schüler unterwegs waren. Auf die Frage des Richters, ob er sich denn nicht deshalb bei der Schule aufgehalten habe, um junge Mädchen zu beobachten, erklärte er: «An diesem Tag nicht.»

Er gab dann zu, dass er einige Wochen später an zwei Tagen erneut in der Nähe der Schule war. Dabei fiel er einer Lehrerin auf, die ebenso wie der Schulleiter die Polizei verständigte.

Die Beamten stellten den Mann und fanden in seinem Auto pornografische Bilder. Vor diesem Hintergrund reagierte der Richter mit erheblicher Skepsis auf die Beteuerungen des Angeklagten, wonach der Vorfall an der Hecke «keinen sexuellen Hintergrund» gehabt haben sollte.

Der 59-Jährige blieb zunächst bei seiner Darstellung, sodass die Opfer hätten aussagen müssen - was beide Mädchen aber keinesfalls in Gegenwart des Angeklagten tun wollten. Weil der Vorsitzende Zweifel hatte, ob ein Ausschluss des Mannes ohne Anwesenheit eines Verteidigers zulässig wäre, wurde die Verhandlung unterbrochen und ein Pflichtverteidiger bestellt. Den Eltern der Opfer empfahl der Richter, jeweils einen Anwalt aufzusuchen und einen Antrag auf Beiordnung als Zeugenbeistand zu stellen.

Überraschend voll geständig

Beim Fortsetzungstermin war der Angeklagte überraschend voll geständig. Weil den Mädchen somit eine Aussage vor Gericht erspart blieb, bekam er eine Bewährungschance. Er sitzt aber nach wie vor in Untersuchungshaft, weil gegen ihn noch ein weiteres - nicht einschlägiges - Verfahren anhängig ist.

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