Beute fängt er blitzschnell

Memmingen/Unterallgäu (rf). - 60 Prozent der bayerischen Tierwelt sind in ihrem Bestand bedroht. Auch im Allgäu gelten zahlreiche Arten als gefährdet. Reinhold Faulhaber vom Bund Naturschutz Kempten-Oberallgäu stellt etliche dieser seltenen Exemplare vor und Georg Frehner, der Kreisgruppen-Vorsitzende des Landesbundes für Vogelschutz Memmingen-Unterallgäu (LBV), vervollständigt die Angaben für den heimischen Bereich. Heute: der Graureiher. Der Graureiher ist der letzte weit verbreitete Großvogel Mitteleuropas. Seinen Namen verdankt er dem grauen Obergefieder. Im Volksmund wird dieser geduldig auf Beute lauernde Vogel auch Fischreiher genannt. Im Flug ist er am s-förmig zurückgebogenen Hals leicht zu erkennen. Der LBV registriert im Unterallgäu einen stabilen Brutbestand. Schwankungen lassen sich zum Großteil mit der Zu- und Abnahme der Kleinsäuger (besonders der Feldmaus) erklären, so Frehner. Besonders außerhalb der Brutzeit kommt es in Gegenden mit hohem und leicht zu erreichendem Nahrungsangebot zu größeren Ansammlungen. Häufig ist der Graureiher im Benninger Ried und an der Iller anzutreffen. Die standorttreuen Tiere benutzen ihre alten, von beiden Partnern errichteten Nester nach einer 'Renovierung' jedes Jahr erneut zur Brut. Das spart Zeit, und sie können schon im März mit der Eiablage beginnen. Die Horste, meist in alten Bäumen, können durchaus einige Kilometer vom Nahrungsgewässer entfernt liegen. Das Transportproblem haben die Tiere einfach gelöst: Die Beute landet in einem Vormagen und wird am Horst wieder herausgewürgt ('gereihert'). 330 bis 500 Gramm an Fischen, Mäusen, Amphibien und Insekten erbeutet dieser Vogel täglich. Langsam schreitend oder regungslos lauernd findet man den Graureiher an Feuchtwiesen oder Gewässern. Nähert sich Beute, so schnellt der Schnabel blitzartig und zielsicher vor, packt die Beute oder spießt sie auf.

Ungewöhnliche Fangmethode Am Notzenweiher (Oberallgäu) wurde schon mehrfach ein Graureiher mit außergewöhnlicher Fischfangmethode beobachtet. Dieser stürzt sich aus dem Suchflug heraus, viele Meter vom Ufer entfernt, ins Wasser und schnappt sich mit dem Schnabel einen großen Karpfen. Ist der Fisch zu groß, um ihn auf Anhieb zu verschlingen, wird er am Ufer verspeist. Bis zu 25 Jahre alt kann dieser bei uns überwinternde Vogel werden. Aufwändige Untersuchungen durch Markierung des gesamten Fischbestandes haben ergeben, dass der Graureiher in natürlichen Gewässern keinen nennenswerten Einfluss auf den Fischbestand hat. Die Fischdichte hängt hier im Wesentlichen vom Angebot an Verstecken, Unterständen und der Nahrung ab. Der Reiher schöpft nur den Teil des jährlichen Fischzuwachses ab, für den kein geeigneter Lebensraum vorhanden ist. Auch einen Überbesatz durch Angelvereine 'bestraft' er konsequent.

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