Memmingen / Mindelheim
Bereicherung fürs Strigel-Museum

Die Sparkassenstiftung Memmingen-Mindelheim hat bei ihrer jüngsten Sitzung in der Kreisstadt den Ankauf einer Holzfigur von Hans Herlin beschlossen, die kürzlich im Kunsthandel auftauchte. Die rund 155 Zentimeter hohe Figur, die einen unbekannten Heiligen im Bischofsornat darstellt, wird die Sammlung des Strigel-Museums «um ein wichtiges Exponat bereichern», wie das Gremium mitteilte.

Die Sparkassenstiftung, die in der Vergangenheit bereits durch zahlreiche Ankäufe zur besseren Ausstattung heimischer Sammlungen beitragen konnte, hat sich trotz der derzeit angespannten Finanzlage zum Erwerb der Figur entschlossen. Zur Freude von Kulturamtsleiter Dr. Hans-Wolfgang Bayer, der den Ankauf als «überaus wünschenswert» bezeichnet hatte.

Da über der alten Fassung eine Bemalung des 19. Jahrhunderts liegt, wäre eine umfassende und vermutlich teuere Restaurierung notwendig, für die gegenwärtig aber die Mittel fehlen. Immerhin konnte die Stiftung zusätzliche 5000 Euro zur Verfügung stellen, um wenigstens eine eingehende Voruntersuchung zu finanzieren.

Da die sehr ausdrucksvolle Bischofsfigur kein spezifisches Attribut mehr besitzt, kann sie ikonografisch nicht genau bestimmt werden, zumal es im kanonischen Heiligenkalender eine ganze Reihe von Bischöfen gibt.

Schlanke Proportionen

Nach Meinung des Kunsthistorikers Dr. Albrecht Miller stand die Figur einst im Schrein eines «spätgotischen Flügelaltars von beachtlicher Größe.» Die schlanken Proportionen würden für eine Aufreihung von fünf Schreinfiguren sprechen. Über den Ort der ursprünglichen Aufstellung ist allerdings nichts bekannt.

Miller, der Herlin für den Hauptmeister des Memminger Chorgestühls von St. Martin hält, erinnert in seinem Gutachten daran, dass dieser Bildhauer eine große Zahl von Altarwerken im Umkreis von Memmingen geschaffen hat: «Der Bischofsfigur nächst verwandt sind die trauernde Maria aus einer Kreuzigungsgruppe in der Pfarrkirche Erolzheim und die Muttergottes in der Pfarrkirche von Herroth.» Sehr gut vergleichbar sei die im Format übereinstimmende, möglicherweise sogar zugehörige Muttergottes, die 1999 im Wiener Kunsthandel auftauchte.

Miller nennt die Bischofsfigur «eine beachtliche Ergänzung des bislang bekannten Oeuvres von Hans Herlin.» Als Entstehungszeit setzt er die Jahre um 1510 an.

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2019