Kempten
Belastungen im Beruf lösen Depressionen aus

l be l Wie erkennbar ist die Krankheit Depression? Nach dem Selbstmord von Profifußballer Robert Enke ist das Krankheitsbild Depression mehr denn je ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Die Frage, wie diese Krankheit wahrzunehmen ist, wird von vielen Seiten beleuchtet. Denn Tatsache ist, wie der Ärztliche Leiter des Bezirkskrankenhauses Kempten Professor Dr. Peter Brieger bestätigt: Die Zahl der depressiv kranken Menschen nehme zu. Und nicht nur das: Immer wieder werden Passanten wie dieser Tage in Kempten Zeuge, wie Menschen versuchen, ihrem Leben selbst ein Ende zu setzen. Zwölf Suizide registrierte die Polizei in der Stadt Kempten im letzten Jahr, heuer sind es bereits 14 Selbsttötungen.

Immer mehr Patienten werden nach Darstellung von Ärztlichem Leiter, Professor Dr. Brieger, im Bezirkskrankenhaus Kempten, das für die Stadt Kempten, den Landkreis Oberallgäu und Lindau zuständig ist, aufgrund einer depressiven Erkrankung behandelt. Als Gründe sieht Brieger die zunehmende Belastung im Berufsleben. Komplexere Arbeitsabläufe und die Tatsache, dass immer weniger immer mehr Arbeit übernehmen müssten, ließen viele an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gelangen. Auffallend sei, dass vor allem junge Männer im Alter zwischen 20 und 35 Jahren immer mehr an Depression erkrankten.

Sensibilität gefordert

Dass es gerade bei Männern eine hohe Dunkelziffer unerkannter Depressionen gebe, kann auch die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) bestätigen. Der Drang nach Erfolg, Perfektion und ständiger Leistungsbereitschaft mache Männer zu «kranken Helden, denen die Fähigkeit fehlt, ihren Sorgen Ausdruck zu verleihen», so DAK-Experte Frank Meiners. Hier sei Sensibilität in der Gesellschaft und der Arbeitswelt gefordert.

Doch ist Depression erkennbar? Ja, meint Professor Brieger. Sie beginne mit Symptomen wie Schlafstörungen, Angst, unspezifischen körperlichen Beschwerden oder Gefühlen der Unzulänglichkeit. Erster Ansprechpartner sollte der Hausarzt sein. Doch mehr als die Hälfte finde den Weg dorthin nicht.

Aber ist für einen Arzt erkennbar, wenn jemand suizidgefährdet ist? Auch das, so Brieger, könne ein Arzt erkennen. Das Problem sei, dass den Kranken ihre seelische Gefährdung oft nicht bewusst sei. So können Fachärzte beispielsweise meist erst tätig werden, wenn Suizidgefährdete in die Klinik kommen.

Aber Depression ist auch behandelbar? Natürlich bekräftigt Brieger. Leichtere depressive Beschwerden können medikamentös oder mit Gesprächen und Unterstützung angegangen werden. Wichtig sei hier auch Sport, denn es sei belegt, dass damit Depressionen gemildert werden könnten. Optimal ist - vor allem bei schweren Krankheitsformen - nach Briegers Ansicht eine kombinierte Behandlung aus Medikamenten und Psychotherapie. Wichtig aber sei in allen Fällen, dass der Betroffene erkenne: «Ich brauche Hilfe von außen».

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