Beim Gotteslob vibrieren die Stühle

Von Veronika Krull | Sonthofen Fast vibrieren die Stühle, als der Chor ein kraftvolles 'Laudamus te' erschallen lässt. Hier können die Sänger aus voller Kehle das Gotteslob anstimmen. Zuvor, beim Kyrie, waren leisere Töne gefragt. 'Ein bisschen zarter', bittet Chorleiter Heinrich Liebherr. Der 49-jährige Kirchenmusiker leitet die erste gemeinsame Probe von St.-Michaels-Chor Sonthofen und Orchestervereinigung Oberallgäu zum Gedenkkonzert für Arthur Engeser am Samstag, 9. Februar. Der langjährige Orchester-Bassist und Stadtkapellmeister war vor dem ursprünglich für den 17. November geplanten Konzert verstorben.

Gefeilt wird beim Probenabend an der 'Cäcilienmesse' von Charles Gounod. Es ist ein Werk, das hohe Ansprüche an die Interpreten stellt. In Sonthofen sind die Anforderungen willkommen: Heinrich Liebherr, seit 25 Jahren Leiter von Chor und Orchester, möchte seinen Musikern das besondere Erlebnis bescheren, 'bedeutende Werke aktiv zu musizieren'. Dabei achtet er er darauf, dass die Stücke 'praktikabel vom Leistungsvermögen' und liturgisch verwendbar sind.

Die 55 Chormitglieder zwischen 18 und 80 Jahren liegen durchaus auf seiner Wellenlänge. 'Da identifiziert sich jeder mit dieser Sache', spricht Tenorsolist Bernd Neve seinen Kollegen aus dem Herzen. Vor Konzerten verdoppeln sich zwar die wöchentlichen Proben. Und es gibt auch sonst viele Einsätze an kirchlichen Feiertagen. Dennoch, so bekräftigt Solosopranistin Brigitte Neve: 'Das ist kein Opfer'. Offensichtlich gilt dies sogar für die daheimbleibenden Partner. 'Mein Mann freut sich mit, wenn alles gut läuft', sagt Altistin Gabi Nast-Kolb.

Damit beim Auftritt auch wirklich alles 'gut läuft', beginnt Heinrich Liebherr manchmal sogar Monate vor dem geplanten Konzert mit den Proben. Liebherr weiß, dass er sich da auch auf seine musikalischen Assistenten verlassen kann: Konzertmeister Helmut Volk (Violine) und das Sänger-Ehepaar Neve.

Dass die Neves getrost Urlaub machen können, sogar wenn sie eigentlich unabkömmlich sein sollten, liegt am guten musikalischen Nachwuchs. So übernimmt die 18-jährige Roswitha Hubai, geschult von Brigitte Neve, schon jetzt manche Partien ihrer Lehrerin. Valentina König, ebenfalls 18 und Sopranistin, unterstützt die Sänger oder die Instrumentalisten zusätzlich mit ihrer Harfenbegleitung. Chorleiter Liebherr darf auch jederzeit auf zusätzliche Musiker zurückgreifen: Bläser aus dem gesamten Allgäu, die das Orchester für die Cäcilienmesse verstärken. Auch herausragende Solisten wie der Geiger Michael Dinnebier, ein ehemaliges Orchestermitglied, das jetzt im SWR-Sinfonieorchester spielt (siehe nebenstehender Info-Kasten), stehen auf Abruf zur Verfügung. Dinnebier wird dabei sein. Das Violinkonzert von Max Bruch, das ebenfalls am Samstag zu hören sein wird, war eine Idee des Geigers. Stolz fügt der Dirigent hinzu: 'Er traut uns das zu.'

Gedenkkonzert: 'Cäcilienmesse' von Gounod und 'Violinkonzert Nr. 1 g-moll Op. 26' von Bruch. Die Aufführung am Samstag, 9. Februar, um 20 Uhr, in der Kirche St. Michael ist ausverkauft. Für die um 10.30 Uhr stattfindende öffentliche Generalprobe sind noch Karten zu haben, bei der Bücherei Greindl oder an der Konzertkasse.

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