beim Gartenbau-Experten

Unterallgäu (sdo). - Überall im Unterallgäu werden derzeit Bäume und Sträucher zugeschnitten. Was man dabei beachten muss und wann tatsächlich die beste Zeit für den Baumschnitt ist, erklärt der Unterallgäuer Kreisfachberater für Gartenbau, Rupert Reinartz, im Interview mit der Memminger Zeitung. Derzeit sieht man am Straßenrand und in den Gärten immer wieder frisch geschnittene Äste liegen. Ist jetzt die beste Zeit für einen Baumschnitt? Reinartz: Eigentlich nicht. Neue Holzforschungen haben ergeben, dass man Bäume und Sträucher am besten im Sommer schneidet. Dann stehen die Pflanzen voll im Saft und die Schnittwunden heilen schneller. Der Glaube, dass man im Frühjahr ausschneiden sollte, kommt daher, dass früher hauptsächlich Landwirte große Obstgärten hatten. Im Sommer hatten sie wegen ihrer übrigen Arbeit allerdings zu wenig Zeit, um sich um die Bäume zu kümmern und haben das Ausschneiden dann ins Frühjahr verlegt. Sollte man einen bestimmten Zeitpunkt für den Schnitt abwarten? Reinartz: Blühende Sträucher sollten sofort nach der Blüte geschnitten werden. Dann bleiben die Nährstoffe in den verbleibenden Trieben. Beerensträucher schneidet man am besten sofort nach der Ernte. Apfel- und Birnenbäume dagegen einige Wochen vorher, also im August oder September, damit die Kraft in die Frucht geht. Die Sonne sorgt dann zusätzlich dafür, dass die Früchte reifer, schöner und inhaltsstoffreicher werden. Hecken sollten zweimal im Jahr geschnitten werden: Ende Mai, wenn der Maiaustrieb vorbei ist und Ende September, damit sie glatt in den Winter gehen, also kein Schnee daran hängen bleibt und die Äste beschweren kann. Welche Äste darf man ausschneiden? Reinartz: Bei Bäumen und Sträuchern immer ein paar alte Äste, außerdem einen Großteil der Jungtriebe.

Die Altersstruktur der Zweige sollte gut gemischt sein. Hecken sollten oben schmäler und unten breiter geschnitten werden, damit Licht durchdringen kann und die Hecke nicht verkahlt. Was muss man beim Schneiden beachten? Reinartz: Das Werkzeug muss unbedingt sehr scharf sein, damit die Wunde am Baum nicht ausfranst. Man kann zum Versäubern der Schnittwunden auch eine so genannte Baumhippe verwenden, ein gebogenes Messer. Generell gilt, nicht nur zu schnippeln, sondern die Äste wirklich gut auszuschneiden. Je mehr man wegschneidet, umso mehr Triebe wachsen nach. Es spielt dabei keine Rolle, ob man einen oberen oder unteren, rechten oder linken Ast abschneidet. Wo sie zu dicht stehen, müssen Äste entfernt werden. Tipps kann man sich bei den Schnittkursen der Gartenbauvereine holen. Daran können auch Nicht-Mitglieder gerne teilnehmen. Ist es sinnvoll, die Schnittwunden zu behandeln? Reinartz: Es reicht vollkommen aus, den Wundrand mit Wundwachs zu bestreichen. Würde die ganze Wunde verschlossen, könnten sich Pilzsporen leichter bilden. Wichtig ist noch, das Werkzeug sofort nach Gebrauch zu säubern und zu desinfizieren, damit Feuerbrand-Bakterien sich nicht ausbreiten können. Während des Schneidens kann man zusätzlich auf Schädlinge achten. Entdeckt man etwa Läuseeier, sollte man diese aber nicht mit Gift bekämpfen. Am effektivsten ist der Einsatz eines Hochdruck-Reinigers. Dann platzen die Eier auf und die Schädlinge sterben ab. Nachgefragt

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