Memmingen
«Bei uns muss frisches Blut rein»

Sie gehört zu Memmingen wie der Mau und der Martinsturm: die Stadtgarde. Die Männer in ihren blauen Uniformröcken erfreuen alljährlich Tausende von Fischertagsbesuchern mit ihren Darbietungen. Doch nun haben sie ein Problem: «Wir werden zu alt und müssen damit rechnen, dass in den kommenden Jahren einige aufhören. Deshalb sind wir auf der Suche nach Nachwuchs. Denn bei uns muss frisches Blut rein», sagt der seit 1995 amtierende Hauptmann Werner Eberhardt über seinen heiteren Haufen, dem derzeit zwei Frauen und 21 Männer angehören.

Die 1950 gegründete und zunächst aus acht Fechtern des TV Memmingen bestehende Truppe, die im kommenden Jahr ihr 60-jähriges Bestehen mit großem Brimborium feiert, hat genaue Vorstellungen von den Männern, die sie bei sich aufnehmen will: Unter 40 sollten sie sein, gesund und munter, gesellig, teamfähig, voller Ideen und arbeitswillig. «Wir wollen auch keine Eintagsfliegen, sondern Kerle, die beständig bei uns bleiben», erklärt der «Sockenstricker», Walter Jaksch, der selbst seit bald 26 Jahren der Stadtgarde angehört.

Er und Eberhardt kündigen für alle Neulinge ein Probejahr an, in dem jene auf Herz und Nieren getestet würden. Danach entscheide die gesamte Gruppe in geheimer Wahl über die Aufnahme in den stadtbekannten Männerbund.

«Auch die jeweilige Partnerin muss zu uns passen. Sie muss eine gewisse Toleranz zeigen. Zum Beispiel, wenn ihr Mann am Fischertag mal nicht heimkommt», sagen Eberhardt und Jaksch mit einem schelmischen Grinsen.

Doch Stadtgardist zu sein, bedeutet nicht nur, Ende Juli ein paar Tage lang die Sau rauszulassen. Nein, es ist viel mehr: Da gibt es etwa die monatlichen Stammtische und die Familienwochenenden, aber auch die Teilnahme an offiziellen Anlässen - und nicht zuletzt Reisen wie zur weltberühmten Steubenparade in New York im Jahr 1975.

«Wir haben was zu bieten und erwarten daher von den Interessenten, dass sie mit Herzblut bei der Sache sind», betont der Hauptmann. «Wir sind kein Karnevalsklub und auch kein Kasperleverein», macht er deutlich. Die Uniform beispielsweise, die die Garde in der heutigen Form seit 1953 trägt, bezieht sich auf ein historisch belegtes Vorbild aus dem späten 18. Jahrhundert.

Beim Umgang mit den Waffen verstehen sie keinen Spaß

Und auch beim Umgang mit ihren Perkussionsschloss-Gewehren aus dem 19. Jahrhundert verstehen die Gardisten keinen Spaß: «Jeder Schütze macht einen Schwarzpulver-Schein», erläutert der Hauptmann. «Außerdem haben wir abends ab einer bestimmten Uhrzeit und ab einem gewissen Zustand auch keine Waffen mehr dabei», fügt er lächelnd hinzu.

Fast schon melancholisch werden Eberhardt und Jaksch, wenn sie ihre gemeinsame schöne Zeit bei der Garde Revue passieren lassen: «Ja, wir sind alle miteinander älter geworden», sagt der Sockenstricker augenzwinkernd. Deswegen werde es nun Zeit, Nachwuchs zu suchen.

Kontakt Interessenten können sich bei Hauptmann Werner Eberhardt (Badgasse 4, 87700 Memmingen) melden. Die E-Mail-Adresse lautet

info@stadtgarde-memmingen.de

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