Bei Hochwasserschutz die Nachbarn im Blick

Obergünzburg/Ostallgäu (db). - 'Hochwasser an kleinen Gewässern' war Thema einer Tagung der Gewässernachbarschaften der kreisfreien Stadt Kaufbeuren und der Gemeinden des Landkreises Ostallgäu. Rund 40 Personen waren gekommen, um Erfahrungen über den gemeindeübergreifenden Hochwasserschutz auszutauschen. Während der Vormittag mit Vorträgen und Diskussionen angefüllt war, bestand am Nachmittag Gelegenheit, Beispiele der Obergünzburger Hochwasserfreilegungsmaßnahmen und naturnahe Uferbefestigungen vor Ort zu betrachten. Zu den Tagungsteilnehmern im Obergünzburger Rathaussaal zählten Bürgermeister und Gemeindebedienstete aus dem Ostallgäu, Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes Kempten, der Unteren Naturschutzbehörde, Harald-Manfred Mohr von der Direktion für ländliche Entwicklung in Krumbach, Projektbetreuer Freudling vom Landschaftspflegeverband, Peter Guggenberger-Waibel von der Stiftung Kulturlandschaft Günztal und des Biotopverbundes Östliche Günz sowie Raimund Schoberer, Koordinator für Gewässernachbarschaft, und Vertreter eines mit Hochwasserfreilegungsplänen beauftragten Ingenieurbüros. Tagungsleiter Horst Freitag, Flussmeister des Wasserwirtschaftsamtes, hob besonders die Tätigkeit der Stiftung hervor, die er sehr positiv auch für den Hochwasserschutz im Günztal sehe. Obergünzburgs Bürgermeister Herbert Schmid ging auf die großen Probleme ein, die kleine Gewässer bei starkem Niederschlag bereiten können. Der Hochwasserschutz, eine Verpflichtung der Bevölkerung gegenüber, sei eine große Aufgabe, die sehr viel Geld koste. Hochwasserschutz betreibe eine Gemeinde aber nicht allein, er müsse mit den Nachbargemeinden koordiniert werden. Peter Guggenberg-Waibel erläuterte anhand von Bildern die Arbeit des Biotopverbundes 'Östliche Günz', zu dem die Gemeinde Günzach und die Märkte Obergünzburg und Ronsberg gehören.

Der Verbund biete Hilfe bei naturnahen Hochwasserschutzmaßnahmen an, die aber nicht alle technischen Freilegungen ersetzen könnten. Die vielen Nebengewässer der Günz zwischen Günzach und Ronsberg - es befinden sich in diesen Gebiet rund 250 Quellen - würden den Fluss bei heftigen oder länger anhaltenden Regenfällen schnell zum Überlaufen bringen. Daher müsse der Bachlauf und die Uferzonen durch entsprechende Naturschutzmaßnahmen so gestaltet werden, dass Wasser dort zurückgehalten werden könne. Starke Partner seien dabei die Landwirte, die dafür freiwillig Nutzungseinschränkungen akzeptierten, erklärte Guggenberger-Waibel. 'Hochwässer lassen sich nicht verhindern, es können durch entsprechende Maßnahmen, wie Gewässerrenaturierungen, nur die Schäden möglichst gering gehalten werden', sagte Horst Freitag. Zu den natürlichen Rückhaltungen zählten die Beschaffenheit des Bodens, der Bewuchs im Uferbereich und Mulden im Gelände. Auch durch Vorsorge könnten Flutschäden vermieden werden: so sollten Räume nicht kostspielig eingerichtet und intensiv genutzt werden, die hochwassergefährdet sind. In Ortschaften seien meist technische Schutzbauwerke nötig, wobei auch die Belange der Anlieger zu beachten seien. Harald-Manfred Mohr fügte an, dass öffentliche Maßnahmen beim Hochwasserschutz in der Fläche auch im Rahmen der Flurbereinigung durchgeführt werden können. Der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Kempten, Hans Joachim Weirather, ging nach einer Übersicht über die Hochwasserschutzstrategie des Freistaates Bayern speziell auf die Hochwasserfreilegung in Obergünzburg ein (siehe eigenen Bericht). Am Nachmittag benutzten die meisten Tagungsteilnehmer die Gelegenheit, sich vor Ort naturnahe Maßnahmen zum Hochwasserschutz an der Günz in der Nähe der Kläranlage und im Revier des Bibers an der Grenze zur Gemarkung von Ronsberg sowie am Schindbach anzusehen. Erläuterungen dazu gab neben Flussmeister Freitag und Bürgermeister Schmid besonders Helmar Schreiter vom Biotopverbund.

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