Bauern haben Recht mit dem Protest

Von Reinhold Löchle, Marktoberdorf/Ostallgäu - Mit einer 'Butterauskauf-Aktion' haben gestern Morgen Landwirte aus dem mittleren Landkreis bei 'Lidl' in Marktoberdorf gegen niedrige Erzeugerpreise protestiert. Nach Angaben des Bayerischen Bauernverbandes nahmen zeitweise bis zu 100 Bäuerinnen und Bauern daran teil. Während in Neugablonz die Leitung eines dortigen Discounter-Marktes nach der Polizei rief, blieben solche Reaktionen in Marktoberdorf aus. Viele Kunden reagierten mit Verständnis auf die Proteste der Milchbauern, die auf Transparenten und mit Flugblättern auf ihre Situation aufmerksam machten. Gestern Morgen 8.30 Uhr: Die Frauen und Männer vor dem Marktoberdorfer 'Lidl'-Markt sind nicht auf Schnäppchen-Jagd, sondern wollen 'auf die existenzvernichtenden Preise' für Butter aufmerksam machen, betonen Vertreter des BBV-Kreisverbandes, darunter auch Wolfgang Hilbich von der Kaufbeurer Geschäftsstelle. Die Landwirtinnen und Landwirte kaufen deshalb das gesamte Butterangebot - das Päckchen für 85 Cent - des Marktes leer, und bieten vor der Tür Passanten frisch geschmierte Butterbrote an. Gleichzeitig erinnern sie an ihre prekäre finanzielle Lage. Weil für die Brote aber längst nicht die gesamte gekaufte Butter benötigt wird, sollen die übrigen Päckchen sozialen Einrichtungen gespendet werden, kündigt BBV-Kreisobmann Martin Keller an.

Butterpreis wichtig Der Preis für die Butter sei entscheidend für die Findung des Erzeugerorientierungspreises (EOP), erläutern Andreas Haslach und Konrad Jocham vom BBV-Vorstand, warum sich der Protestkauf auf die Butter konzentriert. Von den derzeit knapp 28 Cent Erlös für den Liter Milch könne man nicht leben, allein die Produktionskosten lägen bei 30 Cent. Die Aktion richte sich nicht gegen die Beschäftigten bei 'Lidl', schließlich seien es genauso Verbraucher und damit auch Partner der Landwirte, sagt Kreisobmann Keller. Mit dem Protest wende man sich gegen den Preisdruck vor allem mancher Lebensmittel-Discounter auf die Molkereien und damit auch auf die Milcherzeuger. Die Erträge der landwirtschaftlichen Betriebe haben sich nach Angaben vom Konrad Jocham in den letzten Jahren 'laufend verkleinert', dies setze sich auch 2004 fort. Bei den Kunden stößt die Aktion des BBV weitestgehend auf Zustimmung. Sie habe fürs Sparen ja Verständnis, sagt eine Görisriederin. Doch bei den Grundnahrungsmitteln müsse darauf geachtet werden, dass man etwas 'Hochwertiges' kaufe, so die Mutter von vier Kindern. Sie halte die Aktion für 'ganz gut', sagt Ingrid Seifarth aus Rieder, 'das regt manchen zum Nachdenken an'. Sie kaufe die Milch immer bei einem Bauern, der aber keinen Nachfolger für seinen Betrieb habe, denn seine Söhne hätten andere Berufe ergriffen. 'Die Bauern haben Recht', sagt eine Aitrangerin angesichts der Protestschilder. 'Sie kriegen grundsätzlich zu wenig für ihre Produkte', meint sie. Mit der Euro-Einführung sei zwar alles teurer geworden, doch die Landwirte hätten davon nichts abbekommen. Auch Herbert Schramm hält die Aktion für angebracht: 'Die Bauern müssten gerechte Preise für ihre Produkte bekommen.' Der BBV-Kreisvorstand will es nicht beim gestrigen Protest belassen. 'Das ist nicht die letzte Aktion - wir können schließlich nichts mehr verlieren', so ein Mitglied.

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2018