Bandwurmgefahr auch bei Salat

Marktoberdorf/Ostallgäu(vit/az). - Wenn der Marktoberdorfer Hermann Rüth das Gras in seinem Garten in der Keltenstraße mäht, ist er sehr vorsichtig. Immer wieder findet der pensionierte Forstamtsdirektor Kot von Füchsen in der Wiese. Auch andere Hobbygärtner stoßen zwischen Beeren und Beeten auf Hinterlassenschaften der listigen Tiere. Doch aus der Losung droht Gefahr: Laut Landratsamt haben Stichproben-Untersuchungen ergeben, dass auch im Ostallgäu rund 50 Prozent der Füchse mit dem Fuchsbandwurm infiziert sind. Dessen Eier verbreiten sich mit dem Kot und können auch beim Menschen eine tödliche Erkrankung verursachen. Das Landratsamt rät daher, durch Waschen und Erhitzen von Obst und Gemüse das Risiko zu verringern. Das Risiko sich durch den Fuchsbandwurm zu infizieren ist sehr gering, erklärt Ralf Kinkel, Abteilungsleiter im Landratsamt. Beim Menschen ist ein Befall zwar sehr selten, aber lebensgefährlich. Eine Infektion bedeutet allerdings noch keine Erkrankung. Das Verhältnis von Infizierung und tatsächlicher Erkrankung liegt bei 10 zu 1. Kommt es beim Menschen zu einem Befall von Finnen, verläuft er zunächst beschwerdefrei. Der Erreger befällt unbemerkt die Leber, in der sich die Larven des Bandwurms entwickeln. Manchmal werden auch die Lunge oder seltener das Gehirn befallen. Die Larven wachsen sehr langsam und zerstören tumorartig das Organ.

Diese Erkrankung wird als Echinokokkose bezeichnet. Zwischen Infektion und den ersten Symptomen können bis zu zehn Jahre liegen. Eine Meldepflicht an die Gesundheitsämter besteht in Deutschland nicht. Nach dem Infektionsschutzgesetz müssen Erkrankungsfälle aber an das Robert-Koch-Institut gemeldet werden. Nach den dort veröffentlichten Zahlen sind 2003 in Deutschland 19 und in Bayern zwei Personen erkrankt. In Deutschland sind besonders Bayern und Baden-Württemberg Fuchsbandwurm-Gebiete. Schwaben ist hierbei das Gebiet mit den höchsten (bis zu 50 Prozent), Mittelfranken der Bezirk mit den niedrigsten Nachweisraten (maximal zehn Prozent). Das Ostallgäuer Veterinäramt hat in der Vergangenheit stichprobenartig Untersuchungen vorgenommen, die den Schwabenwert von 50 Prozent bestätigten. Für ein darüber hinausgehendes regelmäßiges Untersuchungsprogramm wäre die Unterstützung des Landesamtes für Gesundheit erforderlich, erklärt Kinkel. Er verweist darauf, dass sich das Problem verschärft hat, weil Füchse zunehmend auch in Wohngebieten heimisch sind. Dadurch sei nicht mehr auszuschließen, dass auch Gartenfrüchte mit Füchsen in Kontakt kommen und dort die Eier des Fuchsbandwurms abgelagert werden. Bei Füchsen in Siedlungen können die vorrangig 'zuständigen' Jäger nur begrenzt eingreifen. Kinkel, Leiter der Jagdbehörde im Landratsamt, verweist aber darauf, dass die Jäger im Landkreis immerhin 2500 Füchse pro Jahr erlegen, um die Population niedrig zu halten. Aus tierseuchenhygienischen Gründen trage der Landkreis hier die Entsorgungskosten für die Fuchskadaver. Darüber hinaus appelliert Kinkel an die Bürger: 'Eine Ursache für die Zunahme der Füchse in den Orten sind die vorhandenen, bequemen Nahrungsquellen, wie Komposthäufen mit Essensresten und im Freien aufgestellte Futterschüsseln für Katzen oder Hunde'. Der Vertreter des Landratsamtes verweist auch auf die Kosten für weiterreichende Maßnahmen: Großräumige und kostenintensive Projekte, wie eine Immunisierung der Füchse, könne man nur mit Unterstützung des Staatsministeriums für Umwelt durchführen. Doch die fehlt bisher.

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