Buchloe
Ballast über Bord werfen

Seine Botschaften verpackt er in Karikaturen. Werner «Tiki» Küstenmacher zeichnet ein Pferd auf einer Wiese, das im Kreis läuft und immer da fressen will, wo schon kein Gras mehr wächst. Was möchte er uns sagen? Also malt er noch ein Zirkuszelt im Hintergrund. Aha, ein Zirkusgaul, der auch in der Manege immer nur im Rund läuft und nicht mehr anders kann. «Wie bei uns. Wir müssen uns von unserem Tunnelblick befreien», so der Buchautor («Simplify your life») beim Sparkassen-Forum vor rund 270 Besuchern in der Buchloer Realschule. Mit anderen Worten: Einfacher und glücklicher leben und dafür Ballast über Bord werfen.

Wie Henriette Bimmelbahn

«Überlege, was dich aufblühen lässt. Dem gehe nach», ist eine weitere Aufforderung an die Besucher, frei nach James Krüss und seiner querfeldeinfahrenden Henriette Bimmelbahn. Entrümpelung, Entschleunigung, Entspannung - «die Botschaft ist, es funktioniert, aber in kleinen Schritten», so Küstenmacher. Vor drei, vier Generationen habe es in einem Haushalt im Schnitt noch 800 Gegenstände gegeben, heute seien es 10000. In einem Einfamilienhaus kämen locker bis zu 40000 Sachen zusammen. Eine These Küstenmachers: «Wir befassen uns zu viel mit den Sachen, die wir gar nicht brauchen.»

Beim Aufräumen von Gegenständen «führt der Wille allein noch nicht zum Ergebnis», sagt der gelernte Theologe. Denn das viel stärkere Unterbewusstsein könne genau dies verhindern. Stapel mit ungelesenen Zeitschriften blieben ebenso liegen wie Aktenberge auf dem Schreibtisch - meist Denkmäler der Sinnlosigkeit. Sein Rat: Alles Ungenutzte und Ungelesene, das älter als ein halbes Jahr ist, kommt weg. Für Aktenstapel böte sich, wenn nicht der Mülleimer, dann doch wenigstens der gute, alte Hängeordner an. Dass übervolle Schreibtische nach Küstenmachers Ansicht selten für ausgeprägte Produktivität stehen, versteht sich von selbst. Büromenschen sollten ihren Tag zudem nicht mit der Bearbeitung von elektronischer Post, sondern lieber mit größeren, nicht immer angenehmen Aufgaben beginnen. Am Nachmittag sei dann noch genug Zeit, sich um das «Mikromanagement» zu kümmern.

Die alte Jeans passt nie mehr

Küstenmacher hat alles selbst erlebt, also kommt er schnell auf die Garderobe zu sprechen: «30 Prozent im Kleiderschrank werden benötigt, 70 Prozent warten auf ein Wunder.» Ein Wunder könnte sein, dass wir irgendwann zehn Kilo abnehmen und wieder in die alte Jeans reinpassen. «Vergessen Sies», so der Referent. Insgesamt sind laut Küstenmacher «99,9 Prozent der entsorgten Sachen sind sinnvoll weggeschmissen».

Zwischen Dankbarkeitsmodus und Anspruchsdenken bewege sich das Leben der Menschen, meint Küstenmacher und lässt damit seine theologische Vergangenheit durchblitzen. Viele Menschen meinten, dass sie immer mehr bräuchten. Warum also keinen Perspektivwechsel? «Toll, dass es mir so gut geht.»

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