Bachschmid schließt nach 160 Jahren

Kempten (li). - Eines der bekanntesten Fachgeschäfte für Optik und Fototechnik im Allgäu wird demnächst schließen. Nach knapp 160 Jahren Firmengeschichte haben sich die Brüder Max und Walter Bachschmid entschlossen, ihr Geschäft am Kemptener Residenzplatz zum 30. Juni 2004 aufzugeben. Die Gründe für das überraschende Ende seien vielschichtig, so Walter Bachschmid. Da sei einmal der Umbruch in der Foto- und Optikbranche. Statt Fachgeschäften würden heute Internethandel und Discounter den Markt beherrschen. Als einer von wenigen Händlern in Schwaben habe Bachschmid hochwertige Kameras wie Leica, Rollei oder Hasselblad angeboten, dazu Projektoren und die komplette Ausrüstung für Hobbylabors. Doch davon könne der Laden nicht überleben. Und Filme und Vergrößerungen böten heute auch viele fachfremde Geschäfte an. Das Kemptener Fachgeschäft, das aufgebaut war für Amateure, Behörden und Industrie, habe obendrein dem Zuwachs bei den digitalen Kameras Tribut zollen müssen. Der Firmeninhaber spricht von 25 Prozent Umsatzrückgang durch die neue Technik. Mit der digitalen Aufnahmetechnik habe sich auch der elektronische Handel weiter aufgebaut. 'Viele Kunden haben unsere Beratung gerne in Anspruch genommen und dann aber im Versandhandel gekauft', berichtet Bachschmid. Dort seien manche Modelle bisweilen unter dem Einkaufspreis des Großhandels angeboten worden.

'Trauriger Schritt' Ebenfalls zurückgegangen ist das Geschäftsfeld Optik: 'Es tummeln sich einfach zu viele Anbieter in Kempten.' Walter Bachschmid trennt sich ungern vom Stammgeschäft: 'Wenn man ein ganzes Leben reinhängt, ist man bei so einem Schritt sehr traurig.' Aber er fühlt sich mit 78 Jahren zu alt und seine Söhne sehen keine Perspektive für das Geschäft. Die Basis für das Unternehmen legte 1845 Ferdinand Bachschmid, der auch das markante Haus am Residenzplatz erbauen ließ. Sein Sohn Georg baute darauf auf und übergab 1919 an die Enkel des Firmengründers, Georg und Ferdinand. Diese gründeten 1928 in Memmingen eine Filiale und einige Jahre später eröffnete Ferdinand eine Zweigstelle in Konstanz. 1930 entstand das Fachgeschäft in Augsburg, das nach dem Krieg wieder aufgebaut und um ein Labor ergänzt wurde. 1961 wurde die Fläche im Kemptener Stammhaus an der Ecke zur Königsstraße zu klein und so wurde an der Klostersteige ein neues Geschäft mit Labor, Projektionsraum und Passbildstudio eingerichtet. Damit ist es bald vorbei. Während die Schwestergeschäfte in Augsburg und Memmingen bestehen bleiben, wirbt Bachschmid ab Pfingsten mit Angeboten zum Räumungsverkauf. Für die Ladenfläche wird ein Nachfolger gesucht.

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