Füssen
Autos sollen raus aus ehemaliger Arbeitersiedlung

Er ist ein viel beschäftiger Stadtplaner. Doch so ein architektonisches Juwel hat der Münchner Bernhard Landbrecht noch nie gesehen: «Sie haben hier etwas, das über Füssen hinausgeht», eine solche Anlage sei einmalig. Im Stadtrat schwärmte er in höchsten Tönen von der Hanfwerke-Siedlung. Dennoch müsse man das Viertel städtebaulich aufwerten, dafür hat Landbrecht einen Leitfaden für die Kommunalpolitiker erarbeitet: das Entwicklungskonzept für die Kernstadt-Nord. Ein Schwerpunkt ist der ruhende Verkehr - er soll raus aus den Innenhöfen und am besten in Quartiersgaragen verschwinden.

Schon seit Jahren steht die Aufwertung der ehemaligen Hanfwerke-Siedlung auf der Themenliste des Stadtrates ganz oben. Einiges hat sich getan: Mehrere Häuser wurden vom Siedlungswerk an Investoren verkauft, die die denkmalgeschützten Gebäude saniert haben.

Ein Problem ist aber nach wie vor ungelöst. Denn in der Siedlung fehlen 250 Stellplätze. Die Folge: In den Innenhöfen, die in grüne Flächen mit Sitzgelegenheiten umgewandelt werden sollen, stehen massenhaft Autos. Die sollen verschwinden, um «eine der Wohnnutzung förderliche Freiraumgestaltung zu ermöglichen», so das Konzept. Nur wohin? Landbrecht hat drei Varianten untersucht:

Eine Tiefgarage unter der nördlichen Theresienstraße. Dort könnte man aber nur 90 Stellplätze unterbringen, zudem wären die Kosten immens, da hier wichtige Hauptversorgungsleitungen liegen und die Decke der Tiefgarage auch Schwerlastverkehr standhalten müsste.

Mehrere kleine Tiefgaragen in den Innenhöfen: Hier könnten maximal 79 Stellplätze entstehen, aus wirtschaftlicher Sicht wäre dies laut Landbrecht «nicht zielführend». Besonders kritisch: Die Zufahrten zu diesen Tiefgaragen würden «zu irreparablen Zerstörungen des Gefüges der Hanfwerke-Siedlung» führen und die denkmalgeschützten Gebäude erheblich beeinträchtigen.

Drei Quartiergaragen am Rand der Siedlung: Der Stadtplaner schlägt vor, Stellplätze in der Tiefgarage des geplanten Einkaufszentrums Theresienhof für Bewohner der früheren Arbeitersiedlung anzubieten. Auch könnten Stellplätze auf dem Holzer-Grundstück und an der Theresienstraße entstehen.

Allerdings hatte der Bauausschuss vor kurzem grünes Licht für eine Tiefgarage in einem Innenhof gegeben. Dr. Martin Metzger (Bürger für Füssen) verteidigte den Beschluss: Ihm sei eine solche Tiefgarage lieber, als wenn weiter 20 Autos in dem Innenhof stünden. Die vorgeschlagenen Quartiersgaragen seien nicht schnell zu verwirklichen. «Ich sehe Probleme zwischen Ihrer Theorie und der Realität», sagte er zum Stadtplaner. Der ließ den Stadtrat abblitzen. Er habe hier kein theoretisches Werk entwickelt, sagte er in Richtung Metzger: «Es ist nicht immer praktisch, den einfachsten Weg zu gehen.

» Eine Tiefgarage in einem der Höfe - «das wäre einer der größten Fehler, die sie machen können». Letztlich nahm der Stadtrat das Entwicklungskonzept zur Kenntnis. Mit der Regierung von Schwaben und dem Denkmalschutz werde man die weitere Vorgehensweise für eine Sanierungssatzung besprechen, kündigte Bürgermeister Paul Iacob an.

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