Schwangau
Autor Benedict Wells fesselt am Gymmi Hogau

Man hätte ihn für einen der Kollegstufenschüler halten können, doch Benedict Wells ist ein arrivierter Autor. Für eine Lesung kam der 25-Jährige an das Gymnasium Hohenschwangau zurück, wo er sechs Jahre lang im Internat lebte und 2003 sein Abitur machte. Danach zog er nach Berlin und schlug den steinigen Weg als freier Schriftsteller ein. Deutschlehrer Georg Grimm, der ihn nach Hogau zurücklockte, hat ihn zwar nie selbst unterrichtet. Aber für Benedict Wells gehörte er «zu den wenigen, die immer voller Zuversicht waren.» Wells Roman «Becks letzter Sommer», 2008 bei Diogenes erschienen, wurde als «interessantestes Debut des Jahres» gefeiert, brachte ihm den Bayerischen Kunstförderpreis ein und wurde auf Anhieb 50000 mal verkauft. Demnächst steht die Verfilmung des Buchs an, das als Künstlerroman, Roadmovie und Studie eines zerrissenen Charakters gelesen werden kann.

Die etwa 200 Schüler der Oberstufe des Gymnasiums Hohenschwangau konnten nicht genug kriegen von dem in Sprache und Konzeption exzellenten Werk. Erzählt wird vom Gymnasiallehrer Robert Beck und seinem einstigen Traum von einer Karriere als Rockmusiker, seinem Schüler Rauli aus Litauen, dem unvergleichlichen Gitarristen, in den Beck seine Träume projiziert, und auch vom Deutschafrikaner Charlie, dem aus Rock-Zeiten verbliebenen Freund und Wirrkopf.

Ungeheuer witzig, amüsant, voll von rasanten Episoden aus dem Schul- und Privatleben dieses Antihelden ist, was Wells die A-Seite des Buches nennt. Anders die B-Seite: Melancholie macht sich breit im Leben des unentschlossenen Herrn Beck, dem auch die Liebe abhandenkommt, er wird zur tragischen Figur.

Mit schauspielerischer Begabung ließ Wells die Szenen aufleben und gestand «hier bin ich schon nervös», während er speziell für seine Schule viel Alltagsnahes aussuchte, in dem sich Schüler und auch Lehrer wiederfanden.

Manches «völlig daneben»

Selbstkritisch steht der Autor seinen ersten Versuchen gegenüber, deren Los der Papierkorb war. Kurz las er auch aus dem etwa gleichzeitig geschriebenen, als Berlinroman bekannten «Der Spinner» und scheute sich nicht, dem jungen Publikum einige Formulierungen zu präsentieren, die er inzwischen für «völlig daneben» hält. Ein weiteres Werk erfuhr man, ist in Arbeit.

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