Kaufbeuren / Obergünzburg
Aussagen-Wirrwarr zu nächtlicher Schlägerei

Nach umfangreicher Beweisaufnahme stand vor dem Kaufbeurer Jugendschöffengericht eigentlich nur eines mit Sicherheit fest: Im Juni hatte es am Rande einer Schulabschlussfeier im Raum Obergünzburg eine Schlägerei gegeben, nach der ein 19-Jähriger zahlreiche Prellungen, Blutergüsse und Abschürfungen hatte. Als Angreifer benannte er zwei andere Festbesucher, die wiederum ihn als den eigentlichen Aggressor schilderten. Im Strafverfahren wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung gegen die beiden jungen Männer (18 und 20) gingen die Aussagen der Beteiligten und der Zeugen jetzt ebenfalls weit auseinander. Die Staatsanwältin beantragte schließlich eine Verfahrenseinstellung, die dann auch erfolgte.

Der Vorfall hatte sich damals gegen Mitternacht am Rande des Festgeländes ereignet. Laut Schilderungen der beiden Angeklagten war ihr späterer Kontrahent zunächst mit einer Clique aus dem Oberallgäu aneinandergeraten. Dann habe er dem 18-jährigen Angeklagten, der an ihm vorbeilief, unvermittelt die Faust ins Gesicht geschlagen. Um sein heftiges Nasenbluten zu stillen, sei er zu seinen Begleitern gelaufen, erinnerte sich der Angeklagte. Sein Verteidiger verwies darauf, dass die Verletzung durch ein ärztliches Attest bestätigt sei. Zum weiteren Verlauf der Auseinandersetzung erklärten die Angeklagten, ihr Kontrahent sei dem 18-Jährigen damals nachgelaufen und erneut auf ihn losgegangen. Die Angeklagten gaben einen Tritt gegen den Fuß des 19-Jährigen zu sowie einen Faustschlag gegen die Brust des jungen Mannes.

Beide Schläge seien «im Affekt» als Reaktionen auf Attacken ihres Gegners erfolgt.

Dieser hatte den Vorfall ganz anders geschildert: Er sei damals auf dem Heimweg plötzlich von hinten angegriffen worden. Dann hätten ihn mehrere Personen geschlagen und getreten. Die beiden Angeklagten habe er zwar nicht sehen können, aber an ihren Stimmen klar erkannt. Die Aussage des 19-Jährigen wurde weitgehend von seiner damaligen Begleiterin gestützt. Ein Freund des jungen Mannes erklärte als Zeuge, der 19-Jährige habe vor der eigentlichen Schlägerei den Angeklagten etwas zugerufen. Dann sei er auf die beiden zugegangen und in den Schwitzkasten genommen worden. Anschließend seien etwa fünf Leute auf ihn los und hätten «auf ihn eingestiefelt». Er habe aber nicht genau erkennen können, wer was getan habe.

«Stark betrunken und aggressiv»

Ein Zeuge aus der Oberallgäuer Gruppe erklärte, die Angeklagten seien bei der Schlägerei zwar anwesend gewesen. Er sei sich aber nicht sicher, «ob sie auch zugehaut haben». Der junge Mann schilderte beide als nüchtern wirkend, ihren Kontrahenten dagegen als «stark betrunken und sehr aggressiv». Der 19-Jährige habe vor der eigentlichen Schlägerei mit ihm Streit gesucht und zweimal erfolglos in seine Richtung geschlagen - woraufhin er ihm gesagt habe, «er soll schauen, dass er Land gewinnt.»

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