Aussagen vom Hörensagen

Unterthingau/Kempten | fro | Vor zwei Jahren stellte der Kemptener Lehrer Albert Eichmeier die Broschüre 'Die Vernichtung der Landwirtin und Gastwirtin der Veronika Zettler aus Grub/Oberthingau' vor (die Allgäuer Zeitung berichtete). Darin habe er neue Beweise für deren Ermordung während der Zeit des Nationalsozialismus vorgelegt, glaubte Eichmeier. Aber dabei belastete er zugleich Personen der damaligen Zeit. Dagegen klagte Willi Grotz, Sohn des damaligen Bürgermeisters von Unterthingau, erfolgreich vor Gericht.

Ende 1944 wurde Veronika Zettler aus Oberthingau wegen Wehrkraftzersetzung in das Kaufbeurer Gefängnis gebracht, wo sie laut Gefangenenbuch am 10. Februar 1945 Selbstmord beging. Eichmeier untersuchte den Fall: Er sei in Archiven gewesen und habe Zeitzeugen gesprochen. Das Ergebnis ist eine 420-seitige Abhandlung, die später als Buch erscheinen sollte. Eichmeier kommt darin zu dem Schluss, dass Zettler ermordet wurde. Zudem habe eine Reihe von Personen, darunter der damalige Bürgermeister von Unterthingau, Franz Josef Grotz, die Verhaftung der Zettler nicht verhindert und so deren Tod in Kauf genommen.

'Ungeheuerlich, dieses Buch ist der Gipfel', meint Willi Grotz. Er sah seine Familie, aber auch andere Dorfbewohner verunglimpft und klagte deshalb. Das Amtsgericht Kempten gab ihm vor einem Jahr in vier Punkten recht: Während Eichmeier ausführte, seine Aussagen 'durch historisch überlieferte Materialien zu beweisen', stellte das Gericht fest: Die Behauptungen über Franz Josef Grotz seien 'nicht erweislich wahr'.

Auch im Berufungsverfahren keinen Erfolg

Albert Eichmeier habe vielmehr wahllos Belastendes gesammelt und interpretiert, aber zugleich Entlastungsmaterial außen vor gelassen, urteilte das Gericht. 'Aussagen vom Hörensagen' seien als Fakten dargestellt worden. Bei einer Zuwiderhandlung droht Eichmeier ein Ordnungsgeld von 250 000 Euro. Zwar ging der Lehrer in Berufung, doch auch das Landgericht Kempten sah die Meinungsäußerungen des Lehrers für 'inhaltlich nicht gerechtfertigt'.

Für Willi Grotz ist die juristische Rehabilitation dennoch zu wenig: Wäre sein Vater schuldig gewesen wäre, hätte er diese Belastung tragen müssen. Doch Eichmeier habe unseriös gearbeitet und seinen Vater diffamiert. Dabei habe dieser nach dem Krieg noch lange persönlich mit der Familie Zettler zu tun gehabt - 'ohne dass ein böses Wort gefallen ist', so Willi Grotz.

Eichmeier räumt inzwischen ein, dass 'einzelne Aussagen zu extrem sind. Leider sind mir Fehler unterlaufen. So würde ich die Broschüre nicht veröffentlichen.' Gleichwohl könne sie als Dokumentensammlung erscheinen - allerdings mit 'neutralen Kommentaren'.

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