Aus Existenzangst Dealerin geworden

Kaufbeuren | bbm | Am Tatbestand des Drogenhandels gab es im Strafprozess gegen eine 33-jährige Angeklagte aus Baden-Württemberg nichts zu rütteln: Die junge Frau hatte bereits bei der Polizei zugegeben, im Jahr 2006 zweimal jeweils 500 Gramm Marihuana an einen Kaufbeurer Abnehmer verkauft zu haben, und war jetzt auch vor dem Schöffengericht voll geständig. In der Verhandlung ging es deshalb weniger um die Schuldfrage als um das Strafmaß.

Der Staatsanwalt hatte angesichts der erheblichen Rauschgift-Menge keine Möglichkeit für eine Bewährung mehr gesehen und eine Haftstrafe von zwei Jahren und acht Monaten gefordert. Für den Verteidiger war dieser Antrag 'überraschend hoch'. Er verwies insbesondere auf die 'schwierige Lebensphase', in der seine nicht einschlägig vorbestrafte Mandantin die Taten begangen habe. Die junge Frau hatte sich damals gerade mit einem kleinen Service-Unternehmen selbstständig gemacht, war in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Als dann auch noch wegen nichtbezahlter Versicherungsbeiträge die Zwangstillegung ihres beruflich dringend benötigten Autos gedroht habe, habe sie sich 'von der Angst völlig überrennen lassen', so die Angeklagte.

Die junge Frau, die laut ihrem Geständnis schon in früheren Jahren gelegentlich Haschisch oder Marihuana konsumiert hatte, nutzte offenbar Kontakte zur einschlägigen Szene, um über den Verkauf von Drogen an Geld zu kommen. Die Polizei war durch die Telefon-Überwachung ihres Kaufbeurer Abnehmers auf sie aufmerksam geworden und hatte sie an der Haustür ihres 'Kunden' festgenommen. In ihrem Rucksack befand sich ein Pfund Marihuana. Ein weiteres Pfund fand die Polizei dann in der Freiburger Wohnung der jungen Frau.

Die Angeklagte bekam jetzt noch eine Chance. Das Schöffengericht stellte im Urteil in Rechnung, dass sie sich offenbar 'wieder gefangen hat'. Es setzte die zweijährige Freiheitsstrafe zur Bewährung aus. Die junge Frau wurde zusätzlich wegen Fahrens unter dem Einfluss berauschender Mittel zu 250 Euro Bußgeld und einem einmonatigen Fahrverbot verurteilt. Inzwischen, so versicherte die Angeklagte, habe sie keinerlei Kontakt mehr zu Betäubungsmitteln und zur Rauschgift-Szene. Auch beruflich und privat sei wieder alles im Lot.

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