Aus dem Dunkeln in die Südsee-Sammlung

Obergünzburg (jum). - Mit einer flotten Percussionnummer hat das Ensemble der Tänzelfest-Knabenkapelle Kaufbeuren am Sonntagabend die Auftaktveranstaltung des neu gegründeten 'Fördervereins Südseesammlung e. V.' im Hirschsaal eröffnet. Rund 300 Interessierte waren erschienen, um neben zahlreichen Informationen rund um die Sammlung auch Ex-Bundesfinanzminister Dr. Theo Waigel über Kultur im Allgäu referieren zu hören. Dessen Ehefrau Irene konnte Bürgermeister Herbert Schmid an diesem Abend ebenso begrüßen wie den Abgeordneten Kurt Rossmanith und zahlreiche weitere Vertreter der regionalen Politik. Schmid wertete die hohe Gästezahl als ersten Erfolg des neuen Fördervereins und als gutes Zeichen für den großen Traum, die einzigartige Sammlung trotz Kürzung öffentlicher Mittel wieder zugänglich zu machen. Dies ist laut Vorsitzendem Wolfgang Böhnke auch das erklärte Ziel des Fördervereins bis 2007 und hat einen durchaus juristischen Hintergrund: Kapitän Karl Nauer knüpfte seinerzeit die Vergabe seiner Sammlung nach Obergünzburg an die Bedingung, dass die Exponate in geeigneten Räumen ausgestellt würden. Der neu gegründete Verein verstehe sich in erster Linie als 'Geldbeschaffer' für den geplanten Neubau und werde versuchen, über Mitgliedsbeiträge, Spenden und Aktionen erfolgreich zu sein. Dabei wolle man mit bestehen Vereinen keine Konkurrenz eingehen, so Böhnke. Theo Waigel würdigte in seinen Ausführungen das Vorhaben Südseesammlung als besonderen 'kulturellen Farbtupfer', der unter anderem die Attraktivität des Allgäus für den Tourismus erhöhe. Heimat brauche neben der Bewahrung eigener Wurzeln auch die Begegnung mit anderen Kulturen, um Respekt und Toleranz zu fördern, so Weigel. Er wünschte dem neuen Förderverein bisweilen freche Hartnäckigkeit und gute Ideen beim Geldsammeln. Waigel zeigte sich gewiss, dass ein Projekt mit engagierten Menschen im Hintergrund auch gelingen werde. Vom Völkerkundemuseum Stuttgart war Dr. Ingrid Heermann, Leiterin der Abteilung Südsee-Papua Neuguinea, angereist, um dem Publikum einen Eindruck von der Besonderheit der Sammlung zu vermitteln. Viele Exponate, so Heermann, könne man heute nicht mehr in dieser Qualität finden, und besonders unter den so genannten Tatanua-Masken befänden sich einzigartige Stücke.

Hermann Knauer als Insulaner Wie die ihren Weg nach Obergünzburg gefunden hatten, erläuterte Karl Fleschutz anhand der spannenden Biographie Karl Nauers, der auszog, um als Kapitän und Plantagenbesitzer sein Glück zu suchen. Im Museumsneubau sollen die Exponate nach Lebensräumen geordnet präsentiert werden, so Fleschutz. Die Besucher werden die Ausstellung durch eine Art 'Black Box' betreten, die im Sinne eines Kulturschnitts aus dem Allgäu in die Südsee führen soll. Neben dem Percussionensemble und einer Ha-waiitanzgruppe gehörte ein Auftritt von Kapitän Nauer (Michael Bauer) mit zwei Südseeinsulanern (Pater Polykarp, Hermann Knauer) zu den Höhepunkten dieses sehr gelungenen Abends. Sie gaben einen Vorgeschmack auf die Aktivitäten, mit denen der Förderverein und das Museum für ihre Sache werben wollen.

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