Aus dem Amtsgericht

Disco-Wirt brutal verprügelt Acht Monate Freiheitsstrafe für zwei Vorarlberger Lindau/Westallgäu (enz.). Als im März dieses Jahres morgens um 5.45 Uhr zwei junge Männer aus Hörbranz in einer Lindauer Diskothek aufkreuzten, wurde es ungemütlich. Wenige Minuten später krümmte sich der Wirt auf dem Boden und spürte nach seiner Flucht hinter die Theke die Klinge eines Taschenmessers am Hals. Die Quittung vor Gericht: eine achtmonatige Freiheitsstrafe, die drei Jahre lang zur Bewährung ausgesetzt wird. Außerdem müssen die 24- und 25-jährigen Vorarlberger jeweils 1500 Euro an das Rote Kreuz zahlen. Die Staatsanwältin hatte 15 Monate Haft ohne Bewährung beantragt, weil sie bei den Tätern keine positive Sozialprognose erkenne. Anlass für die brutale Attacke auf den Disco-Wirt war dessen Feierabendgebot. Um die beiden unwirsch reagierenden Gäste zu besänftigen, spendierte er ihnen als Abschiedsgetränk zwei Tequila. Offenbar entsprach der mexikanische Branntwein nicht dem Geschmack der späten Gäste, Mit der Folge, dass sich der Inhalt eines Glases über das Gesicht des Gastwirts ergoss, der Sekunden später - so der bildliche Befund der Beweisaufnahme - 'wie ein Maikäfer auf dem Rücken lag'. Über ihm die beiden Fäuste schwingenden Hörbranzer. Als es dem Discobetreiber glückte, sich einem Würgegriff zu entziehen und in Richtung Telefon zu robben, wurde es noch brenzliger. Der jüngere Angreifer hielt dem Gepeinigten ein Taschenmesser an den Hals, um ihn daran zu hindern, die Polizei anzurufen.

Dies hatte bereits die Bardame getan. Minuten später waren die Ordnungshüter vor Ort, fesselten die widerspenstigen Vorarlberger und nahmen sie mit zur Polizeiwache. Während der Verhandlung stellte sich Überraschendes heraus: Der 25-Jährige hatte sich weniger über das Gebot der Sperrzeit geärgert, sondern eher darüber, weil der Wirt die Frage 'Weißt du, wer ich bin?' verneint hatte. Richter Thomas Walther: 'Sie wollten wohl mit der Frage auf Ihre fragwürdige Berühmtheit in Vorarlberg abheben, wo ein halbes Dutzend Vorstrafen wegen Körperverletzung und Raufhandel zu Buche stehen.'Das augenscheinliche Interesse an den Vorstrafen des 25-Jährigen nutzte dessen Kumpel, um den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Er habe die am Boden Balgenden trennen wollen. Der ihm angelastete Würgegriff am Hals sei ein Wegziehen gewesen. Sein Taschenmesser habe er gezückt, 'nachdem mich der Wirt mit einem Küchenmesser bedrängte'. Die Aussage der Bardame ergab den umgekehrten Tatbestand: Das Küchenmesser war ein Korkenzieher, den der Discobesitzer in seiner Not vom Tresen gegriffen hatte. Der Prozess gegen die zwei Männer hatte nur mit Verspätung beginnen können. Der Jüngere der beiden hatte es vorgezogen, zu Hause zu bleiben. Der Ältere teilte dem Lindauer Richter mit, er habe gerade noch vergebens mit einem Handy versucht, seinen Kumpel zu erreichen. Richter Thomas Walther ließ sich die Handy-Nummer geben und versuchte sein Glück. Volltreffer: Der vor Gericht Vermisste saß daheim auf dem Sofa und berief sich auf Gedächtnisstörungen. Walther: 'Sie machen sich jetzt sofort auf die Socken und stehen hier in 45 Minuten auf der Matte.' Der Hörbranzer unterbot das Limit und nahm nach 40 Minuten auf der Anklagebank Platz.

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