Aus dem Amtsgericht

3600 Euro Strafe für Zechbetrüger Bei Bier und Schnaps mehrjährige Haftstrafe riskiert Lindau/Westallgäu (enz.). Ein Schluck Wodka zur Verdauung des Urteils hätte dem 37-jährigen Bauarbeiter vermutlich gut getan. Weil er in einer Lindauer Kneipe die Zeche von 31,90 Euro nicht bezahlt hatte, wurde der Münchner wegen Betrugs zu einer Geldstrafe von 3600 Euro (120 Tagessätze zu 30 Euro) verdonnert.'Dabei hat ihm der Wodka nicht mal geschmeckt', erinnerte sich kopfschüttelnd der Kneipier. Stundenlang habe sich der Gast im Lokal aufgehalten und schließlich die bemeckerte Wodkamarke mit der Bestellung von etlichen Pils und Obstlern geächtet. Zwischendurch sei der ihm suspekte Zecher mehrmals nach draußen geeilt, um zu telefonieren.

'Wenn er mir gleich gesagt hätte, dass er nicht bezahlen kann, hätte ich ihm das Bier geschenkt', gab sich der Zeuge gönnerhaft. Richter Klaus Harter zweifelnd: Auch die sieben Schnäpse?' Der Wirt winkte unwirsch ab. Als der nach seiner Aussage in der Zuhörerreihe Platz nehmende Schankwirt die Verhandlung wiederholt mit süffisanten Kommentaren zu erheitern suchte, verbat sich der Richter aufkeimende Tresenstimmung:'Wenn Sie noch einmal den Mund aufmachen, gehen Sie mit 200 Euro weniger hier raus.' Der Angeklagte gestand freimütig, sich ohne einen Cent ins Lokal gesetzt zu haben. Als sich die Striche auf dem Bierdeckel rundeten, habe er seinen früheren Arbeitgeber angerufen, die Rechnung zu übernehmen - telegrafisch via Postbank. Die Top-Idee sei ein Flop gewesen. Auf Bewährung verurteilt Mit der deftigen Geldstrafe von 3600 Euro war der im Juni 2002 wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilte Bauarbeiter noch gut bedient. Warum die Bewährungsfrist seinerzeit über das übliche Maß hinaus auf fünf Jahre festgelegt worden war, erklärt ein Blick in das üppige Vorstrafenregister: räuberische Erpressung, Unterschlagung, Urkundenfälschung, Computerbetrug, Diebstahl und Gefährdung des Straßenverkehrs. Insofern, so bilanzierte die Staatsanwältin, hätte die bis dato noch nicht bezahlte Zeche durchaus zu einer Haftstrafe mit Widerruf der Bewährung führen können.

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