Kempten
August Ullrich entdeckte das alte Cambodunum

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Es war ein sonniger Herbstsamstag, als der Kemptener Kaufmann August Ullrich von seiner Wohnung in der Klostersteige mit zwei Arbeitern auf den Lindenberg zog und die erste Schaufel in die Grasnarbe stieß. Dieser 19. September 1885 markiert den Beginn der Ausgrabungen, die bereits nach wenigen Spatenstichen zum Erfolg führte. In den folgenden Monaten beförderte Ullrich die Grundrisse des römischen Cambodunum zutage und machte sich so zum Vater der Kemptener Archäologie.

Bereits nach wenigen Tagen war Ullrich und dem geschichtsbewussten Bürgermeister Adolf Horchler klar, was für ein Schatz da unter der Erde schlummert. Die Zahl der Arbeiter steigerte er deshalb auf 26 und so glich das brachliegende Feld hoch über der Iller bald einer großen Baustelle. Dass da unter dem Gras ein Stück römisches Kempten schlummert, wussten die Bauern am Stadtrand längst, denn beim Pflügen fanden sie laufend römische Münzen, Ziegel und Scherben. Selbst auf Maulwurfhäufen wurden 2000 Jahre alte Bruchstücke entdeckt.

Der 1884 gegründete Altertumsverein (heute Heimatverein) betrachtete es als erste Aufgabe, aufgrund der Funde Nachgrabungen zu veranstalten.

Bereits nach 25 Zentimetern Humusschicht fand Ullrich die erste Mauer: «Die Vorzüglichkeit des Materials und die Sorgfalt, mit der dasselbe verwendet wurde, dokumentieren sich in der Festigkeit der noch vorhandenen Mauerreste. Sie widerstanden fast 2000 Jahre Allgäuer Witterungseinflüsse, Frost und Feuchtigkeit.»

Immer wieder unterbrochen

Zug um Zug wurde der zentrale Bereich einschließlich des Forums (Marktplatz) und der Großen Thermen lokalisiert. Dabei hielt sich Ullrich mit seiner Mannschaft an ein einfaches Prinzip. Eine einmal entdeckte Mauer wurde bis an deren Ende verfolgt und Fundstücke eingesammelt. Weil die Felder auf dem Lindenberg bewirtschaftet wurden, mussten die Ausgrabungen immer wieder unterbrochen werden.

Drei Jahre später zog Ullrich eine erste beachtliche Bilanz. So fand er auf dem Lindenberg fast 30 römische Münzen. Am Bleicherösch kamen noch einmal über 20 Münzen und beim Bau der Spinnerei und Weberei Kempten wieder 20 römische Münzen aus drei Jahrhunderten zutage. Ullrich wusste auch um die römische Siedlung unter der Burghalde. Hier fand er sogar eine Münze aus der Zeit 409 vor Christi. Bis 1892 und erneut von 1909 bis 1911 dauerten seine Ausgrabungen.

Damit wurde der Kaufmann zum Wiederentdecker von Cambodunum. August Ullrich, geboren am 22. Januar 1857, starb am 15. März 1928. An ihn erinnert eine Straße auf dem Lindenberg.

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