Auf Erkundungsreise im Ostallgäu

Biessenhofen/Ostallgäu (sem/kat). - Das Wetter war gemischt: Am Donnerstag schön warm, am Wochenende regnerisch. Doch das Wetter schreckte viele Ostallgäuer nicht ab, sich an den Exkursionen im Rahmen der Programms 'Bayern Tour Natur' zu beteiligen. Zwei Dutzend Experten führten die Interessierten in die Geheimnisse der Natur ein. Im mittleren Ostallgäu fanden Führungen in Biessenhofen, Wald, Mauerstetten, Untrasried und Obergünzburg statt. 'Unterwegs an Wertach und Bachtelsee' hatten Fischereiverein Marktoberdorf und Kreisgruppe Ostallgäu/Kaufbeuren des Landesbunds für Vogelschutz ihre Gemeinschaftsveranstaltung zur 'Bayern Tour Natur' überschrieben. Rund 45 Interessierte waren zu Fuß oder per Fahrrad drei Stunden entlang der beiden Gewässer unterwegs, um sich über Wasservögel, Fische und Biber aufklären zu lassen. Der Weg führte über die Heuwiesbrücke bei Biessenhofen zu einem Baum, den die Biber in Form einer Sanduhr abgenagt hatten. Es sei eine irrige Meinung, dass der Biber den Fall des abgenagten Baumes steuern könne, erläuterte Helmar Schreiter vom Vogelschutzbund. Vielmehr nage das Tier den Baum bis auf einen kleinen Rest ab und verschwinde dann, um dessen Fall abzuwarten. Anhand von großformatigen Fotos und Schautafeln erläuterte er das Familienleben der Biber. Der Weg führte dann zum Bachtelsee, wo brütende Haubentaucher, Enten und Schwäne beobachtet werden konnten. An der Wertach bei Ebenhofen erläuterte Karl Höbel, dass die Wertach früher ein Wildwasser gewesen sei, sich durch die Verbauung immer tiefer in ihr Bett eingraben würde, wenn nicht das Wasserwirtschaftsamt immer wieder künstliche Schwellen eingebaut hätte. Diese Schwellen würden heute so angelegt (bei Bedarf auch mit Fischtreppen ausgestattet), dass die Fische wieder flussaufwärts zu ihren angestammten Laichplätzen gelangen könnten. Anhand von Schautafeln erläuterte er die heimischen Fischarten und zeigte auch zwei präparierte Edelkrebse, die heute in der Wertach ausgestorben sind.

Exkursionen an der Günz Auch im Günztal ließen einige Veranstaltungen in Wald und Flur die Tour zu einem bunten Erlebnis werden. Peter Guggenberger-Waibel, der Projektbetreuer des Biotopverbundes Günztal, leitete einen Exkurs entlang der östlichen Günz zwischen Liebenthann und Ronsberg. Er gewährte den rund 40 Teilnehmern Einblicke in eines der wichtigsten Biotope im Günztal. 'Wir müssen aktiv angreifen, wenn wir Wert auf Artenvielfalt legen', betonte Guggenberger-Waibel die Wichtigkeit des Tier- und Pflanzenschutzes auf heimischen Wiesen. Auch der Quellschutz war im Rahmen der Exkursion ein wichtiges Thema. Das Freibergmoor - nördlichstes Hochmoor im Alpenvorland - hieß die naturkundliche Wanderung unter Führung von Dr. Christoph Greifenhagen. Nach der Einführung in die Geologie der von den Eiszeiten geprägten Voralpenlandschaft ging es ins nahe der Mooshütte gelegene Birket, eine der beiden am nördlichsten gelegenen Hochmoore im Alpenvorland. Die Entstehung des Hochmoores nach Rückzug des würmeiszeitlichen Wertachgletschers, die einzigartige Flora und die ökologische Bedeutung dieses bedrohten Lebensraumes wurden den Teilnehmern eindrucksvoll erläutert. Greifenhagen hob besonders die Bereitschaft der Vereinigten Wertachelektrizitätswerke und der Privateigentümer hervor, dem Arten- und Biotopschutzprojekt des Landkreises Ostallgäu und der Stadt Kaufbeuren zur Renaturierung dieses Kleinods und damit Erhaltung für die Nachwelt zuzustimmen. Eine gelungene und sehr informative heimatliche Entdeckungsreise, die sicher den über 40 Teilnehmern ein echtes Naturerlebnis war.

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