Auf die Metzger kommen neue Eigenkontrollen zu

Marktoberdorf/Ostallgäu (id). - 'Nicht das was uns selbst schmeckt ist entscheidend, sondern das was der Kunde wünscht' - dies sagte Roland Anger von der Fleischerschule Augsburg vor den Mitgliedern der Fleischerinnung Kaufbeuren/ Ostallgäu zu der aufgrund europäischer Richtlinien geforderten mikrobiologischen Untersuchung sowie zur neuen 'Quidregelung' und nahm auch kurz Stellung zum 'Weißwurstkrieg'. Neben den Innungsmitgliedern konnte Obermeister Ulrich Kuhn auch Vertreter des Veterinäramts und der Lebensmittelkontrolle im Marktoberdorfer Hotel Sepp begrüßen. Referent Roland Angerer erläuterte die neue EG-Richtlinie, die in Fleischerfachgeschäften mikrobiologische Eigenkontrollen (Abklatschproben zur Reinigungs- und Desinfektionskontrolle) wünscht. Angerer wies darauf hin, dass im Rahmen der europäischen Politik wohl ab 2006 die registrierten Betriebe in EU-zugelassene Betriebe übergeleitet würden. Voraussetzung hierfür sei für den handwerklichen Betrieb eben auch die mikrobiologische Eigenkontrolle. Das Eigenkontrollkonzept beginne jetzt mit mikrobiologischem Abklatschen. Er erläuterte, wie der Betriebsinhaber bei der Probennahme vorzugehen hat, um entsprechend aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten. Sinn dieser Untersuchungen sei die Feststellung, welche Mittel mit welcher Einwirkdauer mit dem größtmöglichen Effekt eingesetzt werden. Nach seiner Auffassung kann der Betriebschef die Proben selbst nehmen und dann in einem Labor untersuchen lassen. Die Vertreter des Veterinäramtes waren dagegen eher skeptisch. Denn wenn die Proben nicht fachgerecht genommen und behandelt würden, könnte das Ergebnis zu Ungunsten des Betriebs ausfallen.

Durch Übung könne dieses Problem gemeistert werden, war sich Angerer dagegen sicher. Quid für Quantum (Menge), Inhalt und Deklaration (Kennzeichnung) sei eine Mengen-Inhalts-Angabe, die ebenfalls durch EG-Recht gefordert werde, führte Angerer weiter aus. Sie gelte nur für Fertigpackungen wie Dosen und Gläser und stellt nach seiner Auffassung eine Art Verbraucherverdummung dar. Denn nur Fleisch sei in Prozenten anzugeben. Lediglich bei extra genannten Bestandteilen wie 'Lyoner mit Pistazien' sei auch der Anteil an Pistazien zu nennen. Fleisch in diesem Sinne sei nicht reines Fleisch, sondern inklusive Fett. Den Bezug des Fettgehaltes auf die verwendete Fleisch- und Speckmenge führte er anhand von Beispielen ad adsurdum. Denn die Einschätzung der Wurst auf ihren Fettgehalt könne durch Berechnung, durch Analyse und durch Schätzung erfolgen. Ferner ging der Referent noch auf die Auswirkungen ein, die durch den Schutz von (Wurst-)Namen für eine Region entstehen können. So sei es aufgrund europäischen Rechts einigen Großherstellern gelungen, den Namen der Nürnberger Bratwurst schützen zu lassen - was den Handwerksbetrieben überhaupt nicht recht sei. Unter anderem erläuterte er am Beispiel der Münchener Weißwurst, dass diese, würde ihr Name geschützt, auf dem Oktoberfest nicht mehr kredenzt werden könnte. Denn die original Münchener Weißwurst müsse Kalbfleisch enthalten. Dies sei aber - auch aus Kostengründen - bei den auf der Wies'n verkauften Weißwürsten längst nicht mehr der Fall. Ihr Inhalt entspreche nicht mehr dem Originalrezept.

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