Buchloe
Auf der Pirsch nach Wilderern

Die Szenen spielen sich oft in den zwanziger und dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts ab. In den Bergdörfern Bayerns oder Österreichs geht es in den alten Heimatfilmen um Freundschaft und Liebe, aber auch um Erbstreitigkeiten und Wilderei. Dass eben diese Wilderei aber auch heutzutage noch ein ernsthaftes Problem ist, bekam jüngst der Jagdpächter eines Waldstücks zwischen Buchloe und Honsolgen zu spüren. Unbekannte hatten drei Rehkitze geschossen, den Tieren das Fell abgezogen und das kostbare Wildbret gestohlen (wir berichteten).

«Das muss ein echter Experte gewesen sein», mutmaßt Johann Horn, Vorsitzender der Buchloer Jagdgenossenschaft. Fachmännisch habe der Täter die Kitze auseinandergenommen und das Fleisch entfernt. Der Anblick für den betroffenen Jagdpächter aus Landsberg war grausam. Die verstümmelten Tierkadaver fand er am Waldrand. Dabei hatten es die Wilderer nur auf den Oberkörper der Rehe abgesehen, das Stück mit dem höchsten Fleischanteil.

Bis zu 21 Kilogramm Wildbret könne ein ausgewachsenes Reh auf den Rippen haben, bei Kitzen seien es knapp 15 Kilo, erklärt Wolfgang Pscheidl. Er ist Jagdaufseher für die Stadt sowie für das Gebiet nördlich und südlich der Autobahn 96. «Auf dem Viktualienmarkt in München werden für diese Spezialität sehr hohe Preise verlangt», sagt er. Im nördlichen Ostallgäu reguliert der Jagdschutz-Verband die Preise.

Derzeit koste ein Kilogramm Filetfleisch etwa 40 Euro, ein Kilo Wildbret aus der Schulter ohne Knochen an die 15 Euro.

Rund um Buchloe habe man es in den vergangenen Jahren schon öfter mit Wilderern zu tun gehabt. Zuletzt bei Dillishausen. «Aber auch in den Revieren der Nachbarlandkreise wird illegal gejagt», sagt Pscheidl. Allerdings verzichte so mancher Jagdpächter auf eine Anzeige. Das erklärt, warum etwa Ralf Kinkel, Abteilungsleiter für Öffentliche Sicherheit und Ordnung am Landratsamt Ostallgäu, sagt: «Fälle der Jagdwilderei kommen nur selten vor.» Mit den romantischen Vorstellungen der Vergangenheit habe die Wilderei ohnehin nichts mehr zu tun. Es gehe vielmehr um Verstöße gegen den Tierschutz, um Missachtung der Schonzeit und um Rücksichtslosigkeit.

Horn wie auch Pscheidl glauben, dass es sich bei dem Täter um einen Jäger handeln könnte, der entweder keinen Jagdschein oder aber kein eigenes Revier hat. Sollte der Täter erwischt werden, drohen ihm eine Geldstrafe und bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe. «Im Übrigen ist nicht nur Jagdwilderei strafbar, sondern auch Fischwilderei», sagt Kinkel. In diesem Fall schreibt das Strafmaß bis zu zwei Jahre Haft vor.

Wer in Deutschland Jagdpächter werden will, der muss volljährig sein, mindestens drei Jahre einen Jagdschein haben und darf nicht mehr als 1000 Hektar Fläche pachten. «In seinem Revier hat der Jagdpächter dann die Erlaubnis, Wild aufzusuchen, zu erlegen und zu fangen», erklärt Kinkel. Allerdings sei damit auch die Pflicht zur Hege verbunden. Sprich: Fütterung zur Notzeit, Erlegen von krankem Wild und der Schutz vor Wildseuchen.

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