Auf dem Weg zum fairen Preis

Marktoberdorf/Ostallgäu | mg | Ein Jahr war seit der letzten BDM-Frauenversammlung im Ostallgäu vergangen. Damals lag der Milchpreis noch unter 30 Cent. Das Ziel eines kostendeckenden Milchpreises schien in weiter Ferne. Nach einem turbulenten Jahr 2007 liegt der Milchpreis heute über 40 Cent. Für diese positive Marktentwicklung gibt es verschiedene Erklärungen. Wissenschaftler und Molkereiexperten sprechen von einer überraschend positiven Marktentwicklung. Dies sahen BDM-Vertreter bei einer Bäuerinnenversammlung in Marktoberdorf anders.

'Psychologie' bestimmt Marktbild mit

Für Johannes Bayrhof, Vorsitzender der BDM-Vermarktungsorganisation 'Milch Board' hat Markt grundsätzlich sehr wenig mit Realität zu tun. '80 Prozent sind immer Psychologie', so seine feste Überzeugung. 'Wenn eine Seite die Nachfrage nicht übersehen kann, fehlt dem Markt die Transparenz. Der Marktlüge von der Überproduktion waren dadurch Tür und Tor geöffnet', so der Vorsitzende.

Während in Deutschland der Milchpreis nach oben geschossen sei, fielen die Preisaufschläge in Frankreich und England wesentlich moderater aus. Vorsitzender Bayrhof zeigte sich davon überzeugt, dass die Kühllager schon lange Zeit leer stehen und sich dies vor den Milchbauern nicht mehr länger verheimlichen ließ.

BDM-Präsident Romuald Schaber hieb in die selbe Kerbe: 'Wenn der Markt Datum und Preis kennt (1. Oktober, 40 Cent), dann ist dies ein sehr intelligenter Markt'. Schaber verteidigte die 43 Cent gegenüber bereits aufkeimenden kritischen Stimmen: 'Neben dem Anstieg des Milchpreises sind auch unsere Kosten explodiert. Diese müssen wir an unsere Abnehmer weitergeben können. In jedem anderen Wirtschaftszweig ist dies vollkommen normal'. Dabei setzt der BDM auf ein neues Konzept der Öffentlichkeitsarbeit. Die Aktion 'Faire Milch' soll die Werte einer verbrauchernahen Milchproduktion in den Vordergrund rücken.

Angesichts 850 Millionen hungernden Menschen auf diesem Globus und einer wachsenden Konfrontation mit den Auswirkungen des Klimawandels sieht Maria Heubuch, Bundesvorsitzende der Arbeitgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, den landwirtschaftlichen Familienbetrieb als Modell der Zukunft. 'Bauern vor Ort sichern Arbeitsplätze, garantieren die Ernährungssouveränität und sorgen für kurze Transportwege', so Heubuch. Ein Markt ohne faire Regeln stelle dieses System in Frage.

Streikkasse als Lösung für Milchgeldausfall

BDM-Kreisteamleiter Engelbert Vogler sieht nach dem kurzzeitigen Preishoch wieder dunklere Wolken am Milchpreishimmel aufziehen. 'Wir sind die Einzigen, die an einem kostendeckenden Milchpreis interessiert sind, alle anderen arbeiten massiv dagegen', so Vogler. Sollten die Verhandlungen mit den Molkereien scheitern, bleibt für ihn in letzter Instanz nur der Lieferstreik.

Um den Milchgeldausfall auch längerfristig durchhalten zu können, brachte Vogler die Anlage einer einzelbetrieblichen Streikkasse ins Gespräch.

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