Auf dem Bauernhof tummeln sich die Eishockey-Talente

Von Andreas Filke | Balteratsried 'Früher', das war so in den 1940-er Jahren, erzählt Hans Jäger, 'früher war’s am Ufer oft nicht gefroren. Ich hab’ dann Anlauf genommen und bin auf’s Eis gesprungen.' Ein solch gefährliches Abenteuer wollte der Balteratsrieder seinen Enkelkindern ersparen. Doch nicht nur sie profitieren inzwischen vom Engagement des 71-Jährigen, sondern auch einige Kinder aus Sulzschneid und zum Teil Marktoberdorf: Auf dem Gelände seines Bauernhofs schuf er für sie einen eigenen Eisplatz.

Weiße Plane gegen die Sonne

Da wird nun Eishockey gespielt, dass es jedem eine reine Freude ist. Bis zu 15 Kinder tummeln sich auf dem 180 Quadratmeter großen Areal, das von einer hölzernen Bande umgeben ist: 'Steckmodule, drei Meter fünfzig lang.'

Vor acht Jahren legte er zum ersten Mal den Eisplatz an. Da wurde der Schnee auf der Fläche, die im Sommer als Abstellplatz für landwirtschaftliche Maschinen dient, gewalzt und behutsam begossen. Inzwischen ist das Areal von Hans Jäger und seinem Sohn Michael fachmännisch auf eine Ebene gebracht worden. Bevor die Eisbereitung beginnt, wird im Rahmen eine weiße Plane aufgelegt, damit die Sonnenstrahlen reflektiert werden. Danach kommt Wasser aus dem Bach darauf, das dann schichtweise gefriert. So wird das Eis immer dicker.

Im Laufe der Jahre wurde das System perfektioniert. Ein Flutlicht kam hinzu, damit die Kinder am Abend nach den Hausaufgaben noch auf den Kufen flitzen können. Die Garage neben dem Platz dient als Umkleide. Und wenn es zu kalt wird, schleppt Monika Jäger heißen Tee in Thermoskannen herbei.

Auch die Eisbereitung selbst hat Hans Jäger verbessert. In den Anfängen, schildert er, 'haben wir eine Wanne mit Wasser aufgestellt und das Wasser mit Gießkannen verteilt.' Was anstrengend war. Inzwischen hat er sich extra eine elektrische Pumpe angeschafft, einen langen Schlauch angekuppelt und dessen Ende mit der Tülle einer Gießkanne versehen: 'Damit brauche ich nur noch ein Viertel der Zeit.'

Ein Dach fehlt noch

Das Projekt 'BEL' - Balteratsrieder Eishockey-Liga - blieb nicht ohne Folgen: Die beiden elfjährigen Johannes Jäger und der Sulzschneider Florian Schmid fanden so viel Gefallen an dem schnellen Sport, dass sie sich dem EV Pfronten anschlossen. Auch der profitierte in diesem Winter von Jägers Aktion: Als es sich im Stadion nicht spielen ließ, packten acht Kinder ihre Sachen, ließen sich nach Balteratsried kutschieren und trainierten dort eben für das nächste Punktspiel. Die 13-jährige Anna Jäger will in Pfronten gern Eishockey in einem Frauen-Team spielen, aber das befindet sich erst in der Gründungsphase.

'Ein Traum', sagt Michael Jäger, 'wäre ein Dach gegen die Wärme.' Wer seinen Vater kennt, der weiß, dass er in Gedanken bereits daran arbeitet. Doch auch so ist das Eis ziemlich sicher. Mit Ausnahme des vergangenen Jahres ist Eishockey meist zwischen Mitte November und März möglich. So ziehen die Kinder auch in diesen Tagen ihre Runden. 'Ist doch besser, als wenn sie keine Bewegung haben und den ganzen Tag vor dem Computer oder dem Fernseher sitzen', sagt Hans Jäger.

Recht hat der Mann.

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