Ansprechpartner für einfach alles - Und manchmal auch ein bisschen Seelsorger

Kempten | bec | Am Dienstag ist 'Kurwechsel'. Hauptkampftag für die Ehrenamtlichen der Bahnhofsmission. Denn immer dienstags enden oder beginnen in den Allgäuer Rehakliniken die Kuraufenthalte und an den Gleisen im Kemptener Hauptbahnhof warten Menschen auf Hilfe. Oft sind es Hilfen beim Ein- und Aussteigen, die Gerda Karl und ihre vier Kollegen den Reisenden geben. In anderen Fällen wiederum müssen sie Seelsorger sein, immer weiter wissen, wenn die Menschen das selbst nicht können.

'Ja. Manchmal ist es schon hart', sagt Gerda Karl, während sie in den blauen Anorak mit dem Logo der Bahnhofsmission schlüpft. Zu den Gleisen aber kommt sie noch nicht. Ein Mann steht vor der Tür, die die 60-Jährige schnell noch einmal diskret schließt. 'Ein Obdachloser', sagt sie dann. Der Mann hatte kein Geld in der Tasche, wollte aber dennoch mit der Bahn fahren. Was tun in einer solchen Situationen? 'Konkrete Hilfe ist da manchmal schwer', weiß Gerda Karl. Auf jeden Fall aber haben die zierliche 60-Jährige und ihre Kollegen immer ein nettes Wort parat. Wenn es hart auf hart kommt, auch mal einen Kaffee oder einen Teller Suppe.

Was sind das für Menschen, die sich täglich an die Gleise stellen, um für andere da zu sein? 'Man braucht einen Blick für alles, Gelassenheit und man muss stabil sein und darf selbst keine Probleme haben', sagt Gerda Karl. Denn davon haben die Menschen, denen sie ihre Hilfe anbietet, mehr als genug. Da wäre jener Mann, der verwirrt am Bahnhof in München stand und nach Kempten zurück musste. Dort nahm man Kontakt mit der Bahnhofsmission in München auf, die den Mann betreute und dafür sorgte, dass er in Begleitung nach Hause zurück kam. Oder jene Frau, die sich an den abfahrenden Zug hängte. 'Zwei Wochen später machte sie das nochmal in Kaufbeuren und starb.'

'Wir werden dort gebraucht'

Solche Fälle oder die Gespräche - teilweise mit psychisch Kranken - müssen die 60-Jährige und ihre vier Kollegen in den kleinen Räumen der Bahnhofsmission zurück lassen, wenn ihr Dienst am späten Nachmittag zu Ende ist. 'Das muss hier bleiben', sagt Gerda Karl, 'sonst macht man sich selbst verrückt.' Trotzdem bereitet ihr die Arbeit am Bahnhof auch Freude, 'weil wir dort gebraucht werden'.

Genau das ist es, was die fünf Ehrenamtlichen antreibt. Und was die Caritas als Träger der Bahnhofsmission dazu bringt, die Einrichtung weiter zu erhalten. 'Es ist aber nicht einzusehen, dass wir allein die Kosten tragen und die Bahn sich überhaupt nicht beteiligt', kritisiert Uwe Hardt, Geschäftsführer der Caritas Kempten-Oberallgäu. Schließlich würden die ehrenamtlichen Helfer, wenn sie Reisenden Fahrplanauskünfte geben, Aufgaben der Bahn übernehmen. Das sei schon fast zu viel. 'Wir müssten jeweils zu zweit am Bahnhof sein, um überall helfen zu können', sagt Gerda Karl. Denn auf die Mithilfe anderer Reisender, hat sie in über 20 Jahren festgestellt, könne man kaum setzen: 'Da schaut fast jeder weg.'

Die Bahnhofsmission sucht dringend weitere ehrenamtliche Helfer. Wer Interesse an einer Mitarbeit hat, soll sich unter Telefon (08 31) 96 08 80-16 melden.

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