Irsee
Angst und Leid prägen Leben im Heiligen Land

Auf Einladung des Augsburger Weihbischofs Dr. Anton Losinger besuchte der lateinische Patriarch von Jerusalem, seine Seligkeit Fouad Twal, Kloster Irsee. Nach einem festlichen Gottesdienst in der voll besetzten Klosterkirche begrüßte Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert beim anschließenden Empfang im Kapitelsaal des Tagungs- und Bildungszentrums Gäste aus ganz Schwaben, insbesondere Heilige-Land-Pilger aus dem Allgäu.

Der Patriarch der Urkirche in Jerusalem freute sich darüber, dass die meisten dieser Pilger aus der Diözese Augsburg von der Pfarrei Irsee kommen. Monsignore Johann Wagner habe bei 46 Reisen über 1500 Pilger zu den heiligen Stätten geführt. Twal berichtete von den schwierigen Lebensverhältnissen in seiner Heimat und bat, der christlichen Minderheit in seiner Diözese nicht das Gefühl zu vermitteln, sie seien «vergessen und verlassen». Die internationalen Bemühungen hätten es nicht vermocht, eine Lösung für den aktuellen Konflikt zu erzielen. Die Israelis lebten in großer Angst. Konkreter Ausdruck dieser Angst sei die Trennungsmauer. Die Palästinenser hingegen litten unter der Besatzung, dem fortschreitenden Siedlungsbau sowie den innenpolitischen Uneinigkeiten. Geholfen werden könne aber durch Pilgerreisen, weil viele Christen im Heiligen Land vom Pilgertourismus lebten.

Der Pilgerstrom vermittle auch die Hoffnung auf Zukunft und die Aussicht, wegen der harten Lebensbedingungen nicht auswandern zu müssen. Hilfe sei zudem durch die Beteiligung an Ausbildungs- und Sozialprojekten unterschiedlicher Größe möglich. Der Erzbischof erinnerte an Paulus Brief an die Korinther, in dem es heißt, dass die Kirche der Leib Christi sei, der aus vielen Gliedern bestehe. «Ein Glied kümmert sich um das andere, weil sie zusammengehören.»

Vor der Messe «in einer der schönsten Kirchen des bayerischen Barock» hatte Weihbischof Losinger den hohen Gast und die Gläubigen begrüßt. Der Besuch des Patriarchen von der Urkirche in Jerusalem führe «uns zurück zu den Wurzeln und Quellen unseres Glaubens», sagte Losinger. Zugleich führe er auch das Dilemma des Landes vor Augen, in dem «die ungerechten politischen Verhältnisse Menschen unglaublichen Zuständen» aussetzten.

Beim Empfang im Kapitelsaal sprach Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert über die Geschichte des Klosters, die bauliche Einheit von Kirche und Gebäude sowie dessen heutige Verwendung als intellektuelles und künstlerisches Zentrum. Er verwies auf den 1735 entstandenen Kupferstich «Ansicht Jerusalems mit Passionsszenen» des Augsburger Künstlers und Verlegers Johann Daniel Herz. Damit sei «ein Stück Heiliges Land dauerhaft in Irsee» zu sehen.

Bürgermeister Andreas Lieb lud den Patriarchen ein, sich ins Goldene Buch einzutragen.

Ein Grußwort sprach Kirchenpfleger Georg Winkler. Er überreichte dem hohen Gast im Namen der Pfarrgemeinde einen Scheck über 1000 Euro.

Musikalisch gestalteten der Deutsche Jugendkammerchor, das Mendelssohn Vocalensemble unter der Leitung von Karl Zepnik (Bayerischen Musikakademie Marktoberdorf) und Solotrompeter Frieder Held den Gottesdienst.

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