Kempten
Anfangs störten die Berge und es fehlte das Meer

Sie heißen Selma und Maria und stammen aus Brasilien und San Salvador. Seit vielen Jahren leben die beiden Migrantinnen nun im Allgäu - und haben viel zu erzählen. Vor 70 Zuhörern schilderten die Frauen jetzt im Haus International ihre Lebensgeschichte. Mal anrührend, mal humorvoll, mal nachdenklich setzten sie den Auftakt für eine Reihe von Lesungen in Bayern, veranstaltet vom Integrationszentrum «In Via Kofiza» aus München.

Wer in ein fremdes Land aufbricht, um sich dort eine neue Existenz aufzubauen, erfährt einen radikalen Bruch zu seinem bisherigen Leben. So wie die Brasilianerin Selma de Sousa Diel. Sie verbindet mit ihrer ursprünglichen Heimat Samba, Sonne und Strand. Die brasilianischen Besonderheiten habe sie freilich erst zu schätzen gelernt, als ihr Leben in Deutschland begann.

«Die Allgäuer Berge sah ich als Störung der Landschaft und ich habe immer das Meer gesucht», gestand die mit einem Ostallgäuer verheiratete Mutter eines Kindes. Sie lebt heute in Willofs und hat das «wunderbare Alpenpanorama» inzwischen zu schätzen gelernt. Humorvoll erzählte die Bäckerstochter von der verwirrenden deutschen Brotvielfalt, vom ersten Schnee ihres Lebens und den Tücken der fremden Sprache.

Strand und Schnee

Die Brasilianerin, die in ihrer Heimat Psychologie studiert hat, unterrichtet Portugiesisch an der Kemptener Volkshochschule. An Deutschland schätzt sie Tugenden wie Ordnung, Sauberkeit, Sicherheit und Verlässlichkeit. «Heute liebe ich Meer und Berge, Strand und Schnee, Bier und Tee», gestand sie.

Ähnliche Erfahrungen hat Maria Adela Morán-Stief gemacht. Ihren Ehemann aus Waltenhofen hat sie in ihrer Heimat San Salvador kennengelernt. Aus der Romanze vor karibischer Kulisse wurde 1997 ein Leben im Allgäu, das für die Migrantin nicht immer leicht zu bewältigen war. Beruflich sei es ihr noch nicht gelungen, Fuß zu fassen, gestand die Mutter eines Kindes. In San Salvador hat Maria Adela Morán-Stief Kommunikationswissenschaft studiert. In ihrer Wahlheimat räumte sie Supermarktregale ein, sortierte Pakete und besuchte Lehrgänge. Inzwischen gibt sie Spanisch-Kurse an der Volkshochschule.

Migrantinnen wie Selma und Maria haben ihre authentischen Berichte in einer Schreibwerkstatt von «In Via Konfiza» niedergeschrieben. «Die Idee ist, daraus ein Buch zu machen», sagte Nancy Moser, die durch das Programm führte. Auf diese Weise bekämen Frauen eine Stimme, deren Leben von zwei unterschiedlichen Kulturen geprägt sei. Die Freisinger Künstlerin Sarah Est setzte die Texte musikalisch um.

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